Keine sicheren Erkenntnisse über „Insektensterben“

Woher kommen Barbara Hendricks’ „80 Prozent weniger Insekten“? Nicht einmal Insektenforscher können diese Zahl nachvollziehen.

Die Grünen wollten in einer Anfrage vom Bundesumweltministerium wissen, wie drastisch der Rückgang von Insekten ist. Barbara Hendricks’ Ministerium hatte prompt eine Zahl parat: Es gebe 80 Prozent weniger Insekten als 1982. Verantwortlich für den Schwund machte die Ministerin die Landwirtschaft. Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht jedoch große Lücken in der Erhebung und Herkunft diese Zahl.

„Wolke der Unwissenheit“

Hendricks begründete die Annahme, dass es heute viel weniger Insekten gebe damit, dass früher viel mehr Insekten auf der Windschutzscheibe des Autos gewesen seien. „Solche Aussagen eignen sich möglicherweise für den Autofahrer-Stammtisch, werden aber der Bedeutung und Tragweite des Problems nicht im Ansatz gerecht.“, so DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Er verweist auf die Feststellung des Insektenforschers Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein. Sorg sprach gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von „einer Wolke der Unwissenheit“.

Nichts bewiesen

Es gibt in Wirklichkeit keine repräsentativen Untersuchungen oder belastbaren Studien über Umfang und Ausmaß von Veränderungen des Insektenbestandes. „Die Krefelder Insektenforscher bestätigten, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, denn es fehlten flächendeckende Bestandszahlen und systematische Forschungsreihen oder ein Langzeitmonitoring. Den großen Klärungsbedarf, den die Wissenschaftler sehen, können wir in vollem Umfang bescheinigen.“, so Krüsken.

Über Flächenverbrauch reden

Den Landwirten werde es nicht zuletzt durch bürokratische Hindernisse schwer gemacht, die Verhältnisse für die Insekten durch Blühstreifen und artenreiche Feldränder noch weiter zu verbessern, sagt Krüsken. Die Potenziale im Greening würden derzeit durch komplizierte Antrags-und Kontrollverfahren ausgebremst.

Zudem werde nach wie vor zu wenig gegen den Flächenverbrauch unternommen. Der Lebensraum von Insekten und anderen Tieren gehe überall dort verloren, wo Felder, Wiesen, Weiden und Wälder durch Asphalt und Beton ersetzt werden, so der Generalsekretär. Derzeit schwinden so täglich 66 Hektar Lebensraum für Insekten. Hier sieht der DBV unter anderem das Bundesumweltministerium in der Verantwortung.

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