Bio oder konventionell: Was ist “besser”?

Forscher haben in einer großangelegten Untersuchung Bio und konventionelle Landwirtschaft verglichen.

Gerade bei Verbrauchern gilt biologischer Landbau als “Allheilmittel” für die Zukunft von Gesellschaft und Umwelt. Lebensmittel aus Produkten ohne chemische Behandlung sind wohl gesünder. Doch was kann Bio und was leistet die konventionelle Arbeitsweise? Das Thünen-Institut hat sich gemeinsam mit Forschungspartnern in einer Untersuchung einen Überblick über die Fakten verschafft und diese zusammengefasst. Dafür haben die Wissenschaftler 528 wissenschaftliche Veröffentlichungen ausgewertet.

Hohes Potenzial für den Grundwasserschutz

Laut der Untersuchung hat der Ökolandbau ein hohes Potenzial zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wirkt sich dabei positiv aus. In den Auswertungen verminderte eine ökologische Bewirtschaftung zudem die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Auch bei Tierarzneimitteln und den Phosphoreinträgen in Gewässer lässt der Ökolandbau eine geringere Belastung erwarten. Die Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass zu dem Thema nicht genügend geeignete Studien vorliegen.

Konventionell und Bio beim Klimaschutz vergleichbar

Weniger eindeutig ist der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz. Durch eine höhere Kohlenstoffspeicherungsrate und verminderte Lachgasemissionen emittieren Ökobetriebe im Mittel 1.082 Kilogramm weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr. Aufgrund des niedrigeren Ertragsniveaus im Ökolandbau verhalten sich die ertragsbezogenen Klimaschutzleistungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft jedoch ähnlich..

Bessere Bodenfruchtbarkeit durch ökologischen Landbau

Für die Bodenfruchtbarkeit ist den Auswertungen zufolge ökologischer Landbau besser. Die Häufigkeiten und Biomassen von Regenwurm-Populationen waren hier im Mittel um bis zu 94 Prozent höher. Bei 62 Prozent der Vergleichspaare war die ökologische Wirtschaftsweise im Oberboden mit einer geringeren Versauerung verbunden. Beim Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphor im Oberboden konnte hingegen keine eindeutige Tendenz für die eine oder andere Bewirtschaftungsform festgestellt werden.

Vorteile von biologischer Landwirtschaft für Artenschutz eindeutig

Dass sich der Ökolandbau positiv auf die Biodiversität auswirkt, konnten die Forscher eindeutig belegen. Die Ackerflora ist demnach um 95 Prozent, die Anzahl der Feldvögel um 35 Prozent und die Zahl der bestäubenden Insekten um 23 Prozent erhöht.

Keine gesünderen Tiere in der ökologischen Landwirtschaft

Kein klares Bild zeigte sich laut der Wissenschaftler beim Tierwohl. Bei 46 Prozent der Vergleichspaare wurden keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt. Die ökologische Landwirtschaft wies bei 35 Prozent der Vergleichspaare Vorteile auf, die konventionelle bei 19 Prozent. Hinsichtlich Verhalten und Emotionen deuten sich Vorteile der ökologischen Tierhaltung an. Bei der Tiergesundheit sind keine grundlegenden Unterschiede festzustellen. Das Fazit der Wissenschaftler: Das Management scheint hier entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise.

Biologische Landwirtschaft gegen Hochwasser

Laut der Studienergebnisse kann der ökologische Landbau zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz beitragen. Der Humusgehalt und die Aggregatstabilität waren im Ökolandbau bis zu 26 Prozent höher. Bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137 Prozent festgestellt. Dadurch werden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert.

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