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Tierärztemangel: Kammerpräsident zu Ursachen und eventuellen Lösungen

In einem Interview sprach Dr. Lothar Hoffmann, Präsident der Landestierärztekammer Thüringen, über den Tierärztemangel und Lösungsansätze.
  • Situation beim Tierärztemangel
  • Zusammenhang mit Agrarstruktur
  • Frauenanteil und indirekte Auswirkungen

Seit Jahren spitzt sich der Mangel an tierärztlicher Versorgung – vor allem in ländlichen Regionen – zu. Welche Gründe dahinter stecken und welche Lösungsansätze diskutiert werden, erläutert Dr. Lothar Hoffmann, Präsident der Landestierärztekammer Thüringen, in einem von der Universität Leipzig im Vorfeld des Leipziger Tierärztekongresses (15. bis 17. Januar 2026) veröffentlichten Interview. Im Rahmen des Kongresses werden Lösungsansätze diskutiert.

Wie lange der Tierärztemangel bereits besteht und wo er besonders ausgeprägt ist, lässt sich laut Hoffmann nur eingeschränkt beantworten. Belastbare Untersuchungen zu regionalen Versorgungsdefiziten existieren bislang lediglich für Bayern. Vergleichbare Studien in anderen Bundesländern fehlen. Hinzu komme, dass die künftige Entwicklung der Nutztierbestände kaum vorhersehbar sei. In Thüringen etwa seien die Bestände von Rindern und Schafen deutlich rückläufig. Erschwerend wirke zudem, so der Tierarzt, dass Tierärztekammern bislang nur unzureichend erfassen, welche Tierarten von welchen Tierärztinnen und Tierärzten betreut werden. Bei angestellten Veterinärmedizinern werde diese Differenzierung gar nicht vorgenommen, was eine fundierte Bedarfsplanung zusätzlich erschwere.

Tierärztepräsenz und ländliche Strukturen Hand in Hand

Grundsätzlich, betont Hoffmann, sei der tierärztliche Beruf weiterhin attraktiv und zähle zu den begehrtesten überhaupt. Dennoch müsse gezielt gegengesteuert werden, um die Tätigkeit auf dem Land langfristig zu sichern. Vorrang habe die Absicherung der tierärztlichen Tätigkeitsfelder, insbesondere in der Nutztierhaltung. Vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Zahl gewerbsmäßiger Tierhaltungen fordert Hoffmann, die Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Tierhaltung insgesamt zu stärken. Darüber hinaus sieht er die Gesellschaft in der Pflicht: Die Attraktivität des ländlichen Raums müsse durch sogenannte weiche Standortfaktoren steigen. Dazu zählen eine bessere Verkehrsanbindung, verlässliche Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung sowie Kultur- und Freizeitangebote. Ohne diese Rahmenbedingungen lasse sich der Beruf auf dem Land kaum dauerhaft schmackhaft machen.

Auswirkungen des Frauenanteils auf Tierärztemangel?

Obwohl das auch ein Thema auf dem Kongress ist, sieht Hoffmann keinen direkten Zusammenhang zwischen dem steigenden Frauenanteil im Tierarztberuf und dem Mangel auf dem Land. Er schließt jedoch indirekte Effekte nicht aus. „Wenn Tierärztinnen ihre private wie berufliche Zukunft gemeinsam mit einem Partner planen, müssen für beide Partner Arbeitsplätze auf dem Land gefunden werden“, so der Kammerpräsident. Wenn der Partner oder die Partnerin ebenfalls eine höhere (nicht-tierärztliche) Berufsqualifikation habe, sei die Suche nach einem attraktiven Beschäftigungsangebot oftmals erheblich erschwert.

Foto: Studio Romantic – stock.adobe.com (Symbolbild)

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