Ertragseinbußen durch Klimawandel: Diesen einfachen Ansatz empfehlen Forscher
Der fortschreitende Klimawandel beeinträchtigt immer mehr die Ernteerträge. Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde präsentieren nun eine Lösung gegen die Auswirkungen von Hitzeperioden. Neu ist der Ansatz aber nicht – nur neu gedacht.
- Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf künftige Ernten
- Agroforstsysteme
- Empfohlene Baumarten
Der Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft und somit auf die Ernährungssicherheit. Forscher der kalifornischen Stanford Universität rechnen in einer Studie bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer weltweiten Verminderung der Erträge um 11 Prozent. Bei ungebremsten Emissionen gehen sie von 24 Prozent aus. Wie man Kulturpflanzen vor Extremwetter, wie der Hitzewelle im Juni dieses Jahres, schützt, ist ebenso Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien. Ein Team der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) präsentierte nun einen einfachen, aber laut den Wissenschaftlern effektiven Weg, Pflanzen zu schützen: Bäume und Sträucher in Agrarlandschaften für ein kühleres Mikroklima.
Agroforst gegen Auswirkungen des Klimawandels
Neu ist diese Struktur allerdings nicht. Agroforstsysteme, also die Vermischung von Forst- und Agrarflächen, war früher durchaus üblich. Laut Projektmitarbeiterin Leonie Steinherr hatte der Strukturwandel in der Landwirtschaft auf vielen Agrarflächen die Entfernung von Hecken und Bäumen zur Folge. “Die gezielte Umkehr dieses Trends kann die Dürregefahr auf Äckern reduzieren“, so Steinherr. Das Projekt der HNE entwickelt dafür Empfehlungen zur Gehölzauswahl und zu Anpflanzmethoden.
Das Wachstum von Bäumen und Sträuchern auf und neben Feldern bewirkt Steinherr zufolge mehrere positive Veränderungen: “Die Pflanzen sorgen für ein kühleres Mikroklima auf den Feldern. Zudem binden sie Wasser und verhindern die Winderosion des Bodens, einerseits durch Wurzelwerk, andererseits als Windschutz.“ Wichtige Nährstoffe verbleiben so auf den Äckern. Außerdem hat die Ausräumung von Agrarlandschaften der Artenvielfalt stark geschadet. „Das Anpflanzen unterschiedlicher Gehölze bietet wieder mehr Nahrung und Lebensräume für Tiere, insbesondere Insekten“, so Steinherr. Eine zurückkehrende Biodiversität könne ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Wachstum von Nutzpflanzen haben.
Walnuss, Esskastanie und Maulbeere
Die HNE-Forscher empfehlen den Anbau von Walnuss-, Maulbeer- und Esskastanienbäumen. Die Bäume verbessern nicht nur das Mikroklima auf den Feldern, spenden Schatten und verringern die Verdunstung. Sie können auch anderweitig landwirtschaftlich genutzt werden. Walnüsse und Esskastanien können als Lebensmittel geerntet und verkauft werden, während die proteinreichen Blätter von Maulbeerbäumen als Tierfutter genutzt werden können. Auch das Holz der Bäume kann später wertvoll sein. Dadurch verbinden Agroforstsysteme ökologische Vorteile mit einer zusätzlichen Einkommensquelle für landwirtschaftliche Betriebe.
Gefördert wurde das Projekt mit 295.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
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Foto: Standl (Symbolbild)