Vertikale PV-Anlage: Diese Vorteile haben Solarmodule an Silos
Eine österreichische Wissenschaftlerin hat die Wirkung von Solarmodulen an Silos untersucht. Ein Schweizer Unternehmen hat ein solches Konzept bereits umgesetzt.
- Leistung der Solarmodule an Silos in der Studie
- Doppelte Nutzung
- Projekt in der Schweiz
- Plus: Photovoltaik-Check – Ist Ihre PV-Anlage richtig versichert?
Eine Photovoltaik-Anlage muss nicht zwingend auf Dächern oder Freiflächen installiert werden. Auch die hohen Fassaden landwirtschaftlicher Silotürme bieten große, bislang kaum genutzte Flächen für die Stromerzeugung. Dieses Potenzial untersuchte Karoline Kladensky von der Fakultät für Architektur und Raumplanung der Technischen Universität Wien für ihre Diplomarbeit Ende 2025.
Fast 55.000 Kilowattstunden von der Silowand
Ein zentrales Beispiel ist das Projekt „Solar Silo“ im niederösterreichischen Engelhartstetten. Das rund 50 Meter hohe Getreidesilo wird weiterhin landwirtschaftlich genutzt. An seiner Südfassade wurden 174 PV-Module senkrecht im 90-Grad-Winkel montiert. Sie erreichen zusammen 59,16 Kilowattpeak Leistung und erzeugen laut der Studie jährlich 54.813 Kilowattstunden Strom. Das entspricht rechnerisch rund 926 Kilowattstunden je installiertem Kilowattpeak beziehungsweise dem Verbrauch von 13 bis 14 durchschnittlichen Haushalten. Gegenüber einer üblichen, um 30 Grad geneigten PV-Anlage fällt der Jahresertrag zwar geringer aus, dafür liefert die senkrechte Anlage im Winter aufgrund des niedrigen Sonnenstandes deutlich bessere Erträge.
Bestehende Bauwerke doppelt nutzen
Die Anlagen können auch bei weiterlaufendem Betrieb installiert werden und beanspruchen weder Ackerland noch zusätzlich versiegelte Fläche. Technisch ist die Umsetzung allerdings anspruchsvoll: In Engelhartstetten waren Prüfungen zu Statik und Brandschutz notwendig. Die tatsächlichen Investitionskosten lagen bei rund 110.800 Euro. Ohne Vergünstigungen und ehrenamtliche Planungsleistungen wären etwa 165.000 Euro angefallen.
Schweizer Unternehmen nutzt bereits Solarmodule an Silos
Dass das Konzept inzwischen in größerem Maßstab umgesetzt wird, zeigt ein aktuelles Projekt im schweizerischen St. Margrethen. Die dort ansässige Lütolf AG ist ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft die Lagerung und Aufbereitung von Getreide für die Futter- und Lebensmittelindustrie ist. Die bis zu 50 Meter hohen Silotürme wurden auf der Ost-, Süd- und Westseite mit insgesamt 1.270 Solarmodulen ausgestattet. Vorgesehen ist die Erzeugung von rund 450.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Ein großer Teil davon wird direkt im Betrieb verbraucht.
Ist Ihre Photovoltaik-Anlage richtig versichert?
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Foto: Standl