Klimastress, Fachkräftemangel, neue Pflichten: So könnte sich der Obstbau in Mitteldeutschland bald verändern
Wissenschaftler und Praktiker haben Zukunftsszenarien gezeichnet, wie der Obstbau vor dem Hintergrund steigender Herausforderungen in Zukunft aussehen könnte.
- Projekt MIRO
- Vier Perspektiven für den Obstbau der Zukunft
- KI-basierte Wissensvermittlung
- Link zur Broschüre
Der Obstanbau steht vor großen Herausforderungen, auch durch den Klimawandel. Im Rahmen des Projektes MIRO haben Wissenschaftler unter der Federführung des Fraunhofer IVV zusammen mit einem Obstbaubetrieb als Praxispartner Szenarien skizziert, wie der Obstanbau in Mitteldeutschland bis 2035 aussehen könnte. Die Ergebnisse haben die Verbundpartner in einer Broschüre veröffentlicht.
Vier Perspektiven auf die Zukunft des Obstbaus
Die Szenarien sollen keine Prognose darstellen. Sie dienen mehr als Inspiration für Betriebe.
- Szenario 1: Förderbasierte, nachhaltige Bewirtschaftung
In diesem Szenario sorgen neue staatliche oder regionale Förderprogramme dafür, dass sich der Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen finanziell lohnen. Diese sind ökologisch besonders wertvoll, da sie die Biodiversität fördern und CO₂ binden. Durch gezielte Unterstützung können Landwirte wirtschaftlich arbeiten und gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz beitragen.
- Szenario 2: Stabilisierung konventioneller Betriebe
Hier liegt der Fokus auf klassischen Obstbaubetrieben. Widerstandsfähige Obstsorten können besser mit Klimaveränderungen und Krankheiten umgehen. Gleichzeitig ermöglichen flexible Arbeitsmodelle (zum Beispiel Teilzeit, Kooperationen oder neue Organisationsformen), dass Betriebe leichter weitergeführt werden können, insbesondere bei der Übergabe an die nächste Generation.
- Szenario 3: Digitalisierung als Chance für Nachhaltigkeit
In diesem Szenario nutzen Betriebe digitale Technologien wie Sensoren, Datenanalyse oder Plattformen. Dadurch können sie Ressourcen effizienter einsetzen (zum Beispiel Wasser und Dünger) und ihre ökologische Leistung verbessern. Gleichzeitig entstehen neue Einnahmequellen, etwa durch Direktvermarktung über Online-Kanäle oder durch digitale Dienstleistungen.
- Szenario 4: Hightech-Landwirtschaft
Dieses Szenario beschreibt eine stark technologisierte Form des Obstbaus. Künstliche Intelligenz, Robotik und sogenannte digitale Zwillinge (virtuelle Abbilder von Betrieben oder Pflanzen) werden eingesetzt, um Prozesse zu optimieren. Beispielsweise können Ernte, Pflege und Planung automatisiert und präziser gesteuert werden, was Effizienz und Erträge steigert.
KI-basierte Wissensvermittlung
Ein möglicher Baustein dieser Zukunft könnte auch ein Wissensmanagementsystem mit integriertem KI-Chatbot sein. Es soll unternehmensinternes Wissen mithilfe automatisierter Übersetzungen schneller zugänglich machen und so die Einarbeitungszeit von neuen Saisonkräften, fest angestellten Mitarbeitern oder Aushilfen verkürzen. Zudem könnten die gesammelten Daten strukturiert und analysiert werden. So würden Erfahrungen nachhaltig dokumentiert und könnten in zukünftige Betriebsentscheidungen einfließen.
Die Broschüre steht auf der Internetseite des Fraunhofer ISI zum Download bereit.
Foto: Fraunhofer IVV