Mercosur-Abkommen: ifo-Experte schätzt die tatsächlichen Auswirkungen auf die EU ein
Seit Beginn der Verhandlungen zum Mercosur-Abkommen in den 1990-Jahren schlägt das Handelsabkommen hohe Wellen. Wird die europäische Wirtschaft, so auch die Landwirtschaft, tatsächlich geschwächt? Der stellvertretende Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft Andreas Baur gab in einem Phoenix-Interview Antworten – aus seiner Sicht.
- Grundsätzliche Einschätzung von Andreas Baur
- Auswirkungen des Mercosur-Abkommens auf die Landwirtschaft
- Weitere Handelsabkommen möglich
Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist unterzeichnet. Verbände aus Industrie und Landwirtschaft warnen, dass durch das Abkommen die europäische Wirtschaft geschwächt werden könnte. Der stellvertretende Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft Andreas Baur analysierte in einem Interview mit dem TV-Sender Phoenix zusammen, was jetzt wirklich auf Europa zukommt. Er warnt vor übertriebenen Erwartungen, aber auch vor aus seiner Sicht ungerechtfertigten Ängsten.
Unter anderem sieht der Wirtschaftswissenschaftler große Exportchancen für die deutsche Industrie, insbesondere für die Automobilindustrie, den Maschinenbau sowie die Bereiche Chemie und Pharma. Grundsätzlich könne man in diesen Bereichen mittel- und langfristig mit positiven Entwicklungen rechnen, so Baur. Allerdings seien die Zölle im Abkommen zunächst sehr hoch, und der Abbau werde teils 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. „Einen unmittelbaren Wachstumsimpuls sehe ich deshalb nicht“, erklärt der Experte.
Auswirkungen des Mercosur-Abkommens auf die Landwirtschaft
Die in der Landwirtschaft befürchteten Belastungen betrachtete der ifo-Fachmann differenziert. Bei Milchwirtschaft und Weinexport gebe es überdurchschnittliche Chancen, „bei Fleisch- und Zuckerproduktion wird der Wettbewerbsdruck ansteigen“. Allerdings seien im Abkommen mit den südamerikanischen Ländern Schutzklauseln vereinbart worden, die eine Überflutung der europäischen Märkte verhinderten.
Wirtschaftswissenschaftler: Handelsabkommen wichtig für Europa
Grundsätzlich sieht Baur den Vertrag mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay positiv. Dies sei die logische Folge, nachdem die USA unter Donald Trump so handelten, als wären sie aus der Welthandelsorganisation ausgetreten. „Umso wichtiger ist es, dass heute ein klares Signal für den regelbasierten offenen Welthandel von der EU und von Seiten des Mercosur gesendet wird.“ Verhandlungen mit Indien, Australien und weiteren Staaten würden derzeit geführt. „Das könnte die Chance für die Europäische Union sein, hier alternative Handelspartnerschaften zu stärken“, meinte Baur in dem Interview.
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