Digitalisierung der Landwirtschaft: Verband sieht AgTech-Startups benachteiligt
Um die Digitalisierung der Landwirtschaft voranzutreiben, sieht der Digitalverband Bitkom Nachholbedarf bei der Unterstützung von sogenannten AgTech-Startups.
- Lösungen für die Digitalisierung der Landwirtschaft
- Bitkom kritisiert Finanzierung
- Eingeschränkter Zugang zu Experimentierfeldern
Der Digitalverband Bitkom fordert in einem jüngst veröffentlichten Positionspapier bessere politische Rahmenbedingungen für AgTech-Startups in Deutschland. Das sind junge Unternehmen, die an digitalen Lösungen für die Landwirtschaft arbeiten. Lange Entwicklungszeiten und hohe Hardwarekosten erschweren laut Bitkom Finanzierung und Markteintritt. Der Verband spricht sich für langfristige Finanzierungsinstrumente und einen erleichterten Zugang zu landwirtschaftlichen Experimentierfeldern aus.
Finanzierungsmodelle passen nicht zur Dauer von Projekten
Im Unterschied zur Tätigkeit von B2B-Startups anderer Sektoren nehme die Entwicklung landwirtschaftlicher Lösungen längere Entwicklungszeiten und längere Anlaufzeiten in Anspruch, so Bitkom. Typische Herausforderungen sind Künstliche Intelligenz, Sensorik und Datenanalyse. Der Verband fordert daher ergänzende, langfristig angelegte Finanzierungsinstrumente. Das Problem ist, dass Startups, die älter als fünf Jahre sind, bislang aus Förderprogrammen ausgeschlossen sind. Als positives Beispiel nennt Bitkom Förderangebote der Landwirtschaftlichen Rentenbank, die Nachrangdarlehen mit Beratungszuschüssen kombiniert. Der Digitalverband spricht sich dafür aus, bestehende Programme zu öffnen und Zuschüsse auch für Personal- und Sachkosten bereitzustellen, die dem Kompetenzaufbau dienen. Überdies brauche es nach Ansicht von Bitkom flexiblere Fördertatbestände, übersichtlichere Informationsportale und vollständig digitale Antragsverfahren.
Digitalisierung der Landwirtschaft: Zugang zu Experimentierfeldern begrenzt
Ein zentrales Hindernis für AgTechs ist laut dem Verband der nur eingeschränkte Zugang zu realen Testumgebungen. Experimente auf Feldern, in Ställen oder Betrieben seien notwendig, um Produkte unter Praxisbedingungen zu erproben. Derzeit ist der Zugang laut Bitkom deutlich schwieriger als in anderen Branchen. Gründe seien die geringe Standardisierung landwirtschaftlicher Betriebe, lange natürliche Produktionszyklen und hohe Investitionen in Hardware. Zwar fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit 2018 digitale Experimentierfelder mit rund 70 Millionen Euro, doch seien diese stark wissenschaftlich geprägt und für Startups nur eingeschränkt nutzbar.
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