Studie: Europa könnte gesamten Spritverbrauch aus Bio-Rohstoffen bewältigen
Derzeit machen sich viele Autofahrer Gedanken über die Preise für Kraftstoffe und Möglichkeiten, den Spritverbrauch zu minimieren. Laut einer neuen Studie könnte sich Europa aber unabhängig von Erdöl machen – und zwar schon bald.
- Anteile der Antriebsarten in Europa
- Genügend biogene Stoffe für Europas Spritverbrauch
- Vom Reststoff zum Kraftstoff
Im europäischen Straßenverkehr entfallen laut Verband Transport & Environment in Brüssel auf fossile Energieträger etwa 93,2 Prozent, auf Biokraftstoffe etwa 5,1 Prozent und auf elektrische Energie etwa 1,7 Prozent. Biokraftstoffe werden dabei überwiegend nur beigemischt, die reine Nutzung liegt unter einem Prozentpunkt. Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) lässt aufhorchen: Europa könnte seinen gesamten Kraftstoffbedarf für den Straßenverkehr bis 2040 aus biologischen Rest- und Abfallstoffen decken – bis 2030 bereits mehr als die Hälfte.
Genügend biogene Stoffe für Europas Spritverbrauch
Für die Studie untersuchten die KIT-Forscher zusammen mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ), der Freyberger Engineering GmbH und BMW, welche Mengen biogener Rohstoffe – also pflanzliche Reststoffe, Holzreste oder Bioabfälle – in Europa vorhanden sind und wie sie sich technisch zu erneuerbaren flüssigen Kraftstoffen umwandeln lassen. Überdies berechneten die Studienautoren, welchen Kraftstoffbedarf der Straßenverkehr künftig haben wird. „Europa verfügt langfristig über ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles Öl mobil zu sein“, betont KIT-Professor Thomas Hirth. Angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten sei das eine gute Nachricht.
Vom Reststoff zum Kraftstoff
Die Wissenschaftler untersuchten mehrere technische Wege, um aus Biomasse nutzbare Kraftstoffe zu erzeugen. Dazu zählen das HVO-Verfahren (Hydrotreated Vegetable Oil), bei dem ölhaltige Reststoffe zu Dieselersatz hydriert werden, sowie methanolbasierte Verfahren. Bei diesen entsteht aus Pflanzenresten als Zwischenprodukt zunächst ein Gas, das anschließend zu Benzin- oder Dieselersatz weiterverarbeitet wird.
Während es HVO schon an der Zapfsäule gibt, sind Kraftstoffe aus anderen Verfahren noch in der Entwicklung. Sie werden am KIT bereits hergestellt und in Autos getestet. Mit den erprobten Verfahren lassen sich auch große Mengen Kraftstoff erzeugen. Die Studie zeigt außerdem: Wenn zusätzlich Wasserstoff zugeführt wird, steigt die Ausbeute nochmals deutlich.
Auch wenn Europa sehr ambitioniert elektrifiziere, bleibe ein großer Bedarf an flüssigen Kraftstoffen bestehen, so Olaf Toedter vom Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) am KIT. „Viele Fahrzeuge bleiben noch lange im Einsatz. Für diese Bestandsflotte bieten erneuerbare Kraftstoffe eine direkte Möglichkeit, CO₂-Emissionen zu vermeiden.“
Foto: CPW – stock.adobe.com (Symbolbild)