Laut einer Studie: Neuer Konflikt zwischen Windenergie und Landwirtschaft
Verbände weisen immer wieder auf die Konkurrenz zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem Ausbau von Solar- und Windenergie hin. Schweizer Forscher bringen in einer Studie einen dritten Faktor ins Spiel.
- Studie der ETH Zürich
- Ergebnisse der Studie zum Ausbau von Windenergie
- Konfliktpotenzial
Windräder und Solarparks werden für viele Landwirte zunehmend zu einer wichtigen Einnahmequelle. Denn Energieunternehmen zahlen für geeignete Flächen oft deutlich höhere Pachten als klassische landwirtschaftliche Betriebe. In einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage im Januar dieses Jahres ist sogar von Angeboten die Rede, die teilweise „zehnmal höher als normale Pachtpreise“ liegen. Das verändert nicht nur die Konkurrenz zwischen Ackerland und Flächen zur Erzeugung von Energie – der Deutsche Bauernverband kritisiert das immer wieder. Einen zweiten Faktor, mit dem der Ausbau Erneuerbarer Energien kollidiert, haben jetzt Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) europaweit analysiert: regionale Identität. Ist es in landschaftlich schönen Regionen schwieriger, Windkraftanlagen zu etablieren?
Windenergie: Laut Studie keine höheren Strompreise trotz „Verschonung“ von Regionen
Für Deutschland hat die Studie besondere Bedeutung. Denn viele der konfliktträchtigen Regionen liegen in den deutschen Mittelgebirgen. Dazu zählen etwa der Thüringer Wald, der Harz, das Sauerland, der Schwarzwald oder Teile des Bayerischen Waldes. Diese Regionen bieten zwar durch ihre Höhenlagen oft gute Windbedingungen, gelten aber gleichzeitig als wichtige Natur-, Tourismus- und Erholungsräume. Neue Windparks könnten dort wirtschaftlich sinnvoll sein, würden aber das Landschaftsbild massiv verändern. Kritiker warnen vor Rodungen, neuen Zufahrtswegen und einer zunehmenden technischen Überprägung bislang naturnaher Räume.
Das eigentlich Interessante an der Studie: Selbst wenn besonders attraktive Landschaften stärker geschützt würden, hätte das europaweit nur vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Stromkosten. Der Ausbau der Windkraft wäre weiterhin möglich – allerdings stärker konzentriert auf bereits erschlossene oder weniger sensible Gebiete. Die Forscher plädieren deshalb für eine präzisere Planung statt pauschaler Ausbauziele.
Landwirte zwischen Zusatzeinnahmen und Flächendruck
Für Landwirte bedeutet diese Entwicklung eine schwierige Gratwanderung. Die Verpachtung stellt für viele Landwirte wichtige Zusatzeinnahmen dar. Wenn Windkraft aus den genannten Regionen verschwinden würde, wären landwirtschaftliche Betriebe in diesen Gegenden diesbezüglich benachteiligt. Umgekehrt steigen aber die Pachtpreise in Regionen, in denen viele Windräder und Solarparks errichtet werden. Darauf macht unter anderem der Deutsche Bauernverband aufmerksam. Wenn der Ausbau erneuerbarer Energien in Regionen außerhalb der „verschonten“ vorangetrieben werden würde, wären im Umkehrschluss die Landwirte in diesen Gegenden diesbezüglich benachteiligt.
Foto: Standl