Schlachthöfe: Veränderung der Strukturen setzt sich fort
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands schlägt angesichts der anhaltenden Verschiebung der Schlachthöfe Alarm.
- Veränderung der Schlachthof-Struktur
- Angespannte Situation in ostdeutschen Bundesländern
- Marktführer bauen Position aus
Die deutsche Schlachtbranche hat sich 2025 erneut verändert. Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wurden im vergangenen Jahr 44,91 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet – ein leichtes Plus von 0,6 Prozent. Gleichzeitig sorgt der Rückzug des niederländischen Unternehmens Vion weiter für Bewegung im Markt. Mehrere Standorte wurden verkauft oder geschlossen, die Marktanteile konzentrieren sich zunehmend auf wenige große Unternehmen.
Mit der Veränderung der Struktur hin zu weniger, dafür großen Betrieben schrumpfen die Vermarktungsalternativen für Tierhalter. Das schwächt die Verhandlungsposition der Landwirte und macht sie abhängiger von den wenigen großen Abnehmern.
Längere Wege für ostdeutsche Landwirte zu Schlachthöfen
Besonders spürbar sind die Folgen in Ostdeutschland. Mit der Schließung des Fleischcenters Perleberg verschwindet dort der letzte größere Schweineschlachthof außerhalb von Weißenfels. Für viele Tierhalter verlängern sich dadurch die Transportwege deutlich.
Das bedeutet nicht nur höhere Kosten und einen größeren organisatorischen Aufwand. Auch aus Sicht des Tierwohls und der Nachhaltigkeit ist die Entwicklung problematisch. Die ISN kritisiert, dass längere Transporte mehr Belastung für die Tiere bedeuten und zusätzliche CO₂-Emissionen verursachen. Gleichzeitig gehen regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze verloren.
Marktführer bauen ihre Position aus
Im aktuellen ISN-Ranking behauptet Tönnies mit 13,3 Millionen geschlachteten Schweinen und einem Marktanteil von 29,6 Prozent seine Spitzenposition. Westfleisch steigerte die Schlachtzahlen auf 7,53 Millionen Tiere und erreicht einen Marktanteil von 16,8 Prozent. Zusammen decken beide Unternehmen inzwischen fast die Hälfte des deutschen Schweineschlachtmarktes ab.
Nach Einschätzung von ISN-Marktanalyst Klaus Kessing dürfte die Sicherung der Rohstoffbasis künftig noch wichtiger werden. Angesichts rückläufiger Schweinebestände könnten langfristige Lieferbeziehungen an Bedeutung gewinnen. Für die Tierhalter ist die fortschreitende Konzentration damit Fluch und Chance zugleich. Einerseits bieten stabile Partnerschaften Planungssicherheit. Andererseits nimmt mit jedem verschwundenen Schlachthof ein Stück regionaler Infrastruktur ab.
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