Instabile Milchpreise: Verband fordert sofortige Aktivierung eines bewährten Instrumentes
Angesichts der sinkenden Milchpreise und der Lage für Milcherzeuger fordert der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter die Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichtes.
- Entwicklung der Milchpreise
- Instabiler Milchmarkt
- Freiwilliger Lieferverzicht
- Forderungen des BDM
Von November vergangenen Jahres bis Januar sind in Deutschland die Erzeugerpreise für konventionelle Milch im Schnitt von über 46 Cent auf rund 39 Cent je Kilogramm gesunken. EU-weit sieht die Entwicklung nicht besser aus. Dass sich der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments endlich mit der Lage der Milchviehbetriebe beschäftigt, begrüßt zwar der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), der Verband stellt aber auch Forderungen, um den Milchmarkt zu stabilisieren.
Instabile Milchpreise
Es sei höchste Zeit, so der BDM-Vorsitzende Karsten Hansen, dass die angespannte wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe auf europäischer Ebene ernsthaft thematisiert werde. „Viele Betriebe arbeiten seit Monaten unter massiver Kostenunterdeckung. Von den seitens Milch-Marker-Index aktuell nach offiziellen INLB-Daten der EU-Kommission berechneten Erzeugungskosten von 53,73 ct/kg Milch im Bundesschnitt, erhalten die Kollegen in Norddeutschland bei Viöl (SH) im Januar gerade mal 25 Cent pro Kilogramm, im Süden bei der Hohenloher Molkerei (BW) 30,46 Cent“, erklärt Hansen. Von einer stabilen Marktlage könne aus Sicht der Erzeuger keine Rede sein, die Situation sei ein Desaster. Bei einem Betrieb mit 100 Kühen und 30 Kilogramm Tagesleistung führen laut Hansen 20 Cent pro Kilogramm Kostenunterdeckung im Monat zu 18.000 Euro Verlust.
BDM fordert freiwilligen Lieferverzicht
Aus Sicht des BDM muss jetzt umgehend der sogenannte freiwillige Lieferverzicht gegen Entschädigung auf EU-Ebene aktiviert werden. Dieses Instrument hat laut BDM bereits 2016/2017 gezeigt, dass es kurzfristig wirksam, auf freiwilliger Basis, marktkonform und bürokratiearm Angebot und Nachfrage schneller wieder in ein Gleichgewicht bringen kann. Eine zeitlich befristete, freiwillige Mengenreduzierung mit finanzieller Kompensation sei das geeignete Mittel, um einen weiteren Preisverfall zu stoppen und die nötige Markterholung zu beschleunigen, so der Verband.
Forderungen des BDM:
- eine realistische Bewertung der Marktsituation unter Einbeziehung der tatsächlichen Erzeugerkosten
- die direkte Beteiligung von Milcherzeugern an der Ausschussanhörung
- die sofortige Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichtes gegen Entschädigung
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