Dünger aus Toiletten: So effektiv wie herkömmlicher Mineraldünger
Forscher haben eine Möglichkeit entwickelt, aus menschlichen Ausscheidungen aus Recyclingtoiletten Dünger herzustellen – mit Erfolg, aber auch mit weiteren Herausforderungen.
- Forschungsprojekt
- Wie aus menschlichen Ausscheidungen Dünger wird
- Gleiche Wirkung wie Mineraldünger
Recyclingdünger aus menschlichen Ausscheidungen könnten künftig eine größere Rolle in der Landwirtschaft spielen. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE), des Netzwerks für nachhaltige Sanitärsysteme (NetSan) und weiterer Forschungseinrichtungen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie wirksam solche Dünger sind und unter welchen Voraussetzungen sie in der Landwirtschaft eingesetzt werden können. Hintergrund ist die Suche nach Alternativen zu herkömmlichen Mineraldüngern, deren Herstellung teilweise sehr energieintensiv ist.
Wie aus menschlichen Ausscheidungen Dünger wird
Grundlage sind sogenannte ressourcenorientierte Sanitärsysteme. Anders als bei herkömmlichen Toiletten werden Urin und Fäkalien möglichst getrennt gesammelt und nicht oder nur wenig mit Wasser verdünnt. Dadurch lassen sich die enthaltenen Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium gezielt zurückgewinnen. Die Ausscheidungen werden anschließend aufbereitet, um daraus hygienisch sichere und landwirtschaftlich nutzbare Düngemittel herzustellen. Je nach Ausgangsmaterial und Verfahren entstehen Produkte mit unterschiedlichen Nährstoffgehalten und Eigenschaften. Sie können mineralischen, organischen oder organisch-mineralischen Düngern ähneln. Für ihre Untersuchung werteten die Forscher mehr als 450 Datensätze aus 32 Ländern aus. Insgesamt konnten sie 13 verschiedene Recyclingdüngertypen näher charakterisieren.
Gleiche Wirkung wie Mineraldünger
Besonders interessant für Landwirte ist die Düngewirkung. Die Analyse ergab, dass die untersuchten Recyclingdünger gegenüber herkömmlichen Mineraldüngern insgesamt keine Ertragsnachteile aufweisen. Wie gut sie wirken, hängt allerdings von der jeweiligen Kultur, dem Boden und der Nährstoffzusammensetzung ab. Bevor solche Dünger breiter eingesetzt werden können, müssen die Forscher aber noch Qualität und Sicherheit gewährleisten. Die untersuchten Schwermetallgehalte waren überwiegend niedrig und mit denen etablierter Düngemittel vergleichbar. Bei möglichen Arzneimittelrückständen und sonstigen künstlich hergestellten Chemikalien fehlen dagegen noch ausreichende Untersuchungen. Eine weitere Hürde sehen die Wissenschaftler im rechtlichen Rahmen. Während die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm in Deutschland bereits gesetzlich geregelt ist, fehlen für Dünger aus getrennt gesammelten menschlichen Ausscheidungen bislang vergleichbare Zulassungs- und Verwertungswege.
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