Agrarmärkte: DBV warnt vor Preisverfall in allen Betriebszweigen
Nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebszweige haben mit sinkenden Erzeugerpreisen zu kämpfen, aus unterschiedlichen Gründen.
- Statements DBV-Präsident Rukwied
- Entwicklungen in den einzelnen Betriebszweigen
- Handel profitiert von Ökoprodukten
Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt vor sinkenden Preisen auf allen Agrarmärkten. Für die Tonne Weizen etwa können laut DBV derzeit nur rund 180 Euro erzielt werden. „Mit jeder Tonne Weizen, die der Landwirt derzeit verkauft, verliert er und fährt Verluste ein“, so DBV-Präsident Joachim Rukwied. Ebenso negativ sei die Preisentwicklung für die Schweinehalter, merkt Rukwied an. „Bei dem derzeitigen Erzeugerpreis von 1,60 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch ist schon jetzt abzusehen, dass etliche Betriebe im laufenden Wirtschaftsjahr rote Zahlen schreiben werden.“
Weinbau und Milcherzeugung in der Krise
Noch schwieriger sei die Lage im Weinbau: „Der Weinbau in Deutschland ist in der größten Krise seit Jahrzehnten. Aufgrund der schlechten Marktlage gehen wir davon aus, dass wir Rebflächen in erheblichem Umfang verlieren werden.“ Auf dem Milchmarkt sieht es laut Rukwied nicht besser aus. Angesichts des harten Wettbewerbs im LEH um die Butterpreise vor Weihnachten bereite auch die Entwicklung der Milchpreise große Sorge.
Die Entwicklungen in den einzelnen Betriebszweigen
Schweinemarkt: 2025 lagen Bestände und Schlachtzahlen weitgehend stabil, der Pro-Kopf-Verzehr betrug rund 27,9 Kilogramm, gleichzeitig setzte sich aber der Strukturwandel fort. Das Preisniveau gab spürbar nach, sodass die Schweinemast nur knapp kostendeckend war. Die rückläufigen Erlöse führten zu Verlusten bei Mastbetrieben sowie zu geringer Investitionsbereitschaft.
Rindfleischmarkt: Der Pro-Kopf-Verzehr blieb 2025 mit etwa 9 Kilogramm robuster als erwartet, obwohl die Inlandsproduktion zurückging und die Einfuhren stiegen. Nach einer positiven Preisentwicklung im Jahresverlauf zeigten sich zuletzt Abschwächungstendenzen. Damit nimmt der Preisdruck trotz stabiler Nachfrage wieder zu.
Milchmarkt: Die Milchmenge lag Ende 2025 um knapp einem Prozentpunkt über dem Vorjahr, bei überdurchschnittlich hohen Mengen auf nationaler und internationaler Ebene. Nach stabilen Erzeugerpreisen bis August kam es zu einem deutlichen Preisrückgang. Besonders der starke Preisverfall bei Butter im Lebensmitteleinzelhandel belastet Betriebe.
Geflügelmarkt: Bei Geflügel stieg der Pro-Kopf-Verbrauch auf rund 20,9 Kilogramm. Vor allem Hähnchenfleisch war beliebt, während der Verzehr von Putenfleisch zurückging. Die Erzeugung nahm moderat zu, die Preise hielten sich überwiegend stabil. Allerdings gerieten die Erzeuger durch steigende Kosten und die Geflügelpest unter Druck.
Eiermarkt: Der Pro-Kopf-Verbrauch erreichte mit 253 Eiern einen neuen Höchststand, bei weiterhin hoher Importabhängigkeit von rund 28 Prozent. Die Preise blieben 2025 stabil. Im November wurden rund 18 Euro je 100 Eier verzeichnet. Für die kommenden Monate wird jedoch mit nachlassender Preisdynamik gerechnet.
Getreidemarkt: Brotweizen erzielte 2025 durchschnittlich 169 Euro je Tonne, im Vorjahr waren es noch rund 200 Euro je Tonne. Auch die Preise für Futtergerste gingen deutlich zurück. Gleichzeitig stieg die deutsche Weizenernte auf gut 22 Millionen Tonnen, ein Plus von knapp 10 Prozent. Das hohe Angebot drückt allerdings die Preise weiter nach unten.
Weinbau: Die Weinernte lag 2025 bei rund 7 Millionen Hektolitern, etwa 16 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Fassweinpreisen von nur 40 bis 60 Cent je Liter standen Produktionskosten von etwa 1,20 Euro je Liter gegenüber. Damit verschärfte sich der wirtschaftliche Druck massiv.
Obstbau: Die Apfelernte stieg um rund 25 Prozent, während das Marktpreisniveau deutlich unter dem Vorjahr lag. Die Freiland-Erdbeerernte sank auf 75.000 Tonnen, ein Minus von vier Prozent bei ebenfalls rückläufiger Fläche.
Gemüsebau: 2025 führten ein früher Vegetationsbeginn und gute Wachstumsbedingungen zu hohen Erträgen im Freiland- und Unterglasanbau. Gleichzeitig entstand ein strukturelles Überangebot am Markt. In der Folge standen die Erzeugerpreise deutlich unter Druck.
Öko-Markt: Gewinner ist der Handel
Auf Basis vorliegender Marktpanel- und Scannerdaten lässt sich für den deutschen Öko-Markt 2025 ein kräftiges Umsatzwachstum von etwa 8 % erwarten. Nachdem der Öko-Lebensmittelmarkt in Deutschland bereits 2024 um fast 6 % auf 17 Milliarden Euro stieg, dürfte somit 2025 die 18-Milliarden-Euro-Marke deutlich überschritten werden. Damit ist die Absatzflaute des Inflationsjahres 2022 endgültig überwunden. Wachstumstreiber waren 2025 erneut die Bio-Handelsmarken und bei den Absatzkanälen gehörte – neben dem Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriemärkten – nach langer Durststrecke auch der Naturkostfachhandel zu den Gewinnern. Die Umstellungsbereitschaft in der deutschen Landwirtschaft war 2025 hingegen erneut äußerst verhalten. Der Flächenzuwachs im Öko-Anbau stagniert.
Foto: glebzter – stock.adobe.com (Symbolbild)