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Ökowertpapier: Mecklenburg-Vorpommern finanziert Artenvielfalt mit Zertifikaten

In Mecklenburg-Vorpommern können Kommunen, Unternehmen, Vereine oder auch Bürger künftig Zertifikate kaufen, mit denen Biodiversitätsleistungen der Landwirte honoriert werden.
  • Rückgang von Ackerwildkräutern
  • Pilotphase auf 52 Ackerflächen
  • So funktioniert das Biodiversitätszertifikat in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern schlägt im Hinblick auf Biodiversität einen anderen Weg ein. Mit dem Biodiversitätszertifikat, einer Art Ökowertpapier, sollen Landwirte künftig finanziell dafür honoriert werden, wenn sie artenreiche Ackerflächen erhalten und damit Lebensräume für Ackerwildkräuter, Insekten und zahlreiche weitere Arten sichern. Die Markteinführung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Kürzlich hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus auf Gut Barz in Dahmen das erste Pilotprojekt vorgestellt. Die Einführung des Zertifikats ist für 2027 geplant.

Maßnahme gegen weiteren Rückgang von Ackerwildkräutern

Hintergrund ist laut Landwirtschaftsministerium der starke Rückgang der Ackerwildkräuter, der sogenannten Segetalarten. Kornblume, Mohn, Kamille oder Ackerrittersporn gehörten über Jahrhunderte selbstverständlich zum Bild unserer Kulturlandschaft. Heute stehen deutschlandweit mehr als 35 Prozent der Ackerwildkrautarten auf der Roten Liste, ihre Populationen sind gegenüber den 1950er-Jahren um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Ackerwildkräuter sind zugleich Nahrungsgrundlage und Lebensraum für Insekten, Vögel und Säugetiere und können zur Bodenfruchtbarkeit und Stabilität des Agrarökosystems beitragen.

Pilotphase auf 52 Ackerflächen in Mecklenburg-Vorpommern

Das Konzept wurde seit Herbst 2025 gemeinsam vom Ministerium und der Ökoring GmbH entwickelt und in diesem Sommer erstmals praktisch erprobt. In der Pilotphase wurden auf neun Landwirtschaftsbetrieben an unterschiedlichen Standorten Mecklenburg-Vorpommerns insgesamt 52 Ackerflächen untersucht. Dabei wurden sowohl die Ackerflächen selbst als auch ihre Ränder auf Ackerwildkräuter kartiert.

200 bis 400 Euro pro Hektar für nachgewiesene Artenvielfalt

Das geplante Honorierungsmodell sieht je nach Artenreichtum und Schutzstatus der nachgewiesenen Pflanzen eine Vergütung von 200 bis 400 Euro je Hektar vor. Ein Biodiversitätszertifikat soll 30 Euro kosten. Unternehmen, Organisationen, Kommunen sowie Bürger können die Zertifikate erwerben und damit konkrete, artenreiche Ackerflächen in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen. Jedes verkaufte Zertifikat soll in einem Register erfasst und einer konkreten Fläche zugeordnet werden. So will das Landwirtschaftsministerium Transparenz schaffen und zugänglich machen, wo die mit dem Zertifikat finanzierte Biodiversitätsleistung erbracht wird.

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Foto: Standl

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