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Studie: Wie Bäume auf Rinderweiden die Artenvielfalt fördern

Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen haben in einer internationalen Studie untersucht, wie sich Bäume auf Rinderweiden auf die Biodiversität auswirken. Hintergrund ist die Abholzung des Regenwaldes. Europas Weg wird durch die Erkenntnisse bestätigt.
  • Was die Wissenschaftler untersucht haben
  • Mehr Biodiversität auf Rinderweiden
  • Ersetzen die Bäume Wälder?
  • Bedeutung für Europa

Vor dem Hintergrund der Abholzung des Regenwaldes für Rinderweiden in Südamerika haben Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen untersucht, wie Bäume auf den Weiden dazu beitragen können, dass sich Pflanzen und Kleinstlebewesen dennoch halten können. Das Ergebnis: Werden Bäume gezielt in Weideflächen integriert, steigt die Artenvielfalt deutlich an. Für die Untersuchung werteten die Studienautoren 45 wissenschaftliche Studien aus 15 Ländern aus. Im Mittelpunkt standen sogenannte silvopastorale Systeme. Dabei handelt es sich um Weidelandschaften, in denen Bäume und Sträucher bewusst erhalten oder neu angepflanzt werden. Ziel ist es, landwirtschaftliche Nutzung und ökologische Funktionen miteinander zu verbinden.

Mehr Lebensraum für Pflanzen und Tiere auf Rinderweiden

Die Auswertung ergab, dass Weiden mit Bäumen im Durchschnitt 44 Prozent mehr Arten beherbergen als vergleichbare baumlose Flächen. Auch die Zahl der einzelnen Tiere war deutlich höher. In vielen Fällen näherten sich solche Flächen hinsichtlich ihrer Artenvielfalt sogar dem Niveau benachbarter natürlicher Wälder an. Besonders stark profitieren Pflanzen und kleine wirbellose Tiere, die im oder auf dem Boden leben. Dazu zählen unter anderem Regenwürmer, Insektenlarven, Schnecken, Asseln und Spinnen. Auch bei Insekten insgesamt zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Artenvielfalt. Diese Organismen reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihres Lebensraums. Bäume schaffen Schatten, sorgen für ein ausgeglicheneres Mikroklima, liefern Laub und Totholz und erhöhen die strukturelle Vielfalt der Landschaft. Dadurch entstehen zusätzliche Nahrungsquellen und Rückzugsorte.

Nicht alle Tierarten reagierten jedoch gleichermaßen. Bei Vögeln, Säugetieren und Bodenmikroorganismen konnten die Forschenden keine eindeutigen Unterschiede zwischen Weiden mit und ohne Bäume feststellen. Das deutet darauf hin, dass verschiedene Artengruppen sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum haben und nicht automatisch von denselben Maßnahmen profitieren.

Wichtiger Beitrag zur Renaturierung, aber kein Ersatz für Wälder

Trotz der Ergebnisse sehen die Wissenschaftler die Agroforstwirtschaft nicht als Alternative zum Schutz natürlicher Wälder. Zwar können baumbestandene Weiden vielen Arten Lebensraum bieten, doch sie ersetzen keine intakten Waldökosysteme. Vor allem seltene Arten, Waldspezialisten und Tiere mit großem Platzbedarf sind weiterhin auf ungestörte Wälder angewiesen.

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für Europa?

Für Europa sind die Ergebnisse vor allem als Bestätigung eines bereits bekannten Prinzips relevant: Strukturreiche Agrarlandschaften fördern die Biodiversität. Allerdings lassen sich die Zahlen der Studie nicht ohne Weiteres auf europäische Verhältnisse übertragen. Die größten positiven Effekte wurden in tropischen und subtropischen Regionen festgestellt, während die Unterschiede in gemäßigten Klimazonen deutlich geringer ausfielen.

Dennoch könnten Elemente der Agroforstwirtschaft auch in Europa eine wichtige Rolle spielen. Baumreihen auf Weiden, Hecken, Streuobstwiesen oder einzelne Weidebäume bieten Lebensräume für zahlreiche Insektenarten und verbessern die Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Gleichzeitig können sie den Boden vor Austrocknung schützen und den Tieren Schatten bieten.

Die ganze Studie kann hier abgerufen werden.

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Foto: Julián Chará

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