Paludikulturen: Mecklenburg-Vorpommern will Wertschöpfung der Moore stärken
Der Anbau landwirtschaftlicher Kulturen auf wiedervernässten Mooren muss sich für Landwirte lohnen. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Backhaus sprach sich dafür aus, die Landwirte bei der Wertschöpfung zu unterstützen.
- Agrarminister Till Backhaus wirbt für Akzeptanz von Mooren
- Anbau von Paludikulturen muss sich lohnen
- Planungssicherheit für Landwirte
Bundesweit gibt es Bemühungen, trockengelegte Moore wiederzuvernässen. Moore speichern CO₂ aus der Luft und fördern die Biodiversität. Doch was passiert mit den bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen aus wirtschaftlicher Sicht der Landwirte? Experten empfehlen die Nutzung für Paludikulturen, also Pflanzen, die in dieser Umgebung wachsen können. Dazu zählen etwa Rohrkolben, Schilf oder Rohrglanzgras. Mecklenburg-Vorpommern plant, einen Schritt weiterzugehen und Moore stärker in die Wertschöpfungskette einzugliedern, wie der Landwirtschaftsminister auf der diesjährigen MeLa in Mühlengeez erklärte: „Klimaschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn wir die Menschen mitnehmen, die unsere Flächen bewirtschaften.“ Für ihn sei deshalb klar: Man könne von Landwirten nicht verlangen, ihre Bewirtschaftung grundlegend umzustellen, und sie anschließend mit dem wirtschaftlichen Risiko alleinlassen. „Moorschutz braucht Akzeptanz – und Akzeptanz braucht eine wirtschaftliche Perspektive“, so Backhaus.
Anbau in Mooren muss sich lohnen
Backhaus spricht sich dafür aus, den Landwirten Paludikulturen nicht nur ans Herz zu legen, sondern auch mitzugeben, wer Schilf oder Rohrkolben kaufen könnte. Solche Pflanzen finden beispielsweise in der Herstellung von Papier und Verpackungen, Dämm- und Baustoffen oder Akustikelementen Anwendung. Je nach Biomasse und Aufbereitung kommt auch eine energetische Nutzung in Frage. „Die entscheidende Frage eines Landwirts ist nicht, ob sich aus Schilf theoretisch ein Dämmstoff herstellen lässt. Er muss wissen: Wer kauft meine Ernte, zu welchem Preis, und kann ich damit dauerhaft Geld verdienen? Genau an dieser Stelle müssen wir jetzt weiterkommen. Aus Modellprojekten müssen Wertschöpfungsketten werden“, erklärt der Landwirtschaftsminister.
Backhaus fordert Planungssicherheit für Landwirte
Der Minister machte zugleich deutlich, dass Paludikultur derzeit noch kein flächendeckend wirtschaftlich etabliertes Geschäftsmodell sei. Produktionskosten, geeignete Technik und Absatzmärkte befinden sich vielerorts noch in der Entwicklung. Zudem fehlt laut Agrarministerium für verschiedene Paludikulturen bislang eine bundesweit eindeutige und rechtssichere Zuordnung im GAP-System. „Ich will keine Paludikultur um jeden Preis und schon gar keine Bewirtschaftung vom Schreibtisch aus verordnen. Wir brauchen sie dort, wo sie ökologisch sinnvoll ist und für die Betriebe wirtschaftlich funktionieren kann. Dafür brauchen wir klare Förderregeln, verlässliche Absatzmärkte und Unternehmen, die aus der Biomasse marktfähige Produkte machen. Unser Ziel muss sein: Wertschöpfung bleibt in Mecklenburg-Vorpommern“, so Backhaus.
Rund zwölf Prozent der Landesfläche sind Moore, etwa 160.000 Hektar Moorfläche werden landwirtschaftlich genutzt.
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