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Wenn die Seele nicht mehr kann: Warum viele Landwirte an Depression erkranken

Eine aktuelle österreichische Studie schlüsselt die Anzahl der von Depressionen betroffenen Landwirte und die Ursachen genau auf. Aber auch in Deutschland ist die psychische Gesundheit von Landwirten ein Thema, das lange ein Tabu war.
  • Aktuelle Studie der Universität für Weiterbildung Krems
  • Landwirte stärker von Depression betroffen als Menschen außerhalb der Landwirtschaft
  • Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Thünen-Studie zur psychischen Gesundheit von Frauen in der Landwirtschaft

Was lange als Tabuthema galt und sich erst in den vergangenen Jahren langsam in der öffentlichen Wahrnehmung etablierte, hat eine österreichische Universität in einer aktuellen Studie in konkrete Zahlen gefasst: Depressionen bei Landwirten. Die wissenschaftliche Arbeit beleuchtet zwar die Situation in Österreich, in Deutschland dürften vor allem die Ursachen für die Erkrankungen ähnlich gelagert sein. Die Universität für Weiterbildung Krems befragte zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 mehr als 2.000 Landwirte, aber auch Menschen aus der Allgemeinbevölkerung.

Mehr Landwirte als Menschen aus der Allgemeinbevölkerung von Depression betroffen

Interessant ist der Vergleich zwischen in der Landwirtschaft tätigen Menschen und den Befragten, die in anderen Branchen arbeiten. 28 Prozent der Landwirte zeigten klinisch relevante depressive Symptome, gegenüber 21,4 Prozent in der Vergleichsgruppe. Bei Angstsymptomen war der Unterschied mit 31,1 Prozent zu 14,6 Prozent noch größer. Zudem berichteten 66,9 Prozent der Landwirte über ein hohes Stressniveau. Als größte Belastungen empfanden sie Bürokratie und Dokumentationspflichten, Agrarpolitik, Preisschwankungen sowie hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck. Besonders eng mit einer schlechteren psychischen Gesundheit verbunden waren jedoch finanzielle Sorgen, Arbeitsdruck und soziale Isolation. Besorgniserregend sind auch die Ergebnisse zur Suizidgefährdung: 19,7 Prozent der Landwirte berichteten von Suizidgedanken, in der Vergleichsgruppe waren es 14,3 Prozent. Auch hier zeigten sich Zusammenhänge vor allem mit finanziellen Problemen und hoher Arbeitsbelastung.

Deutschlands Landwirte stehen unter psychischem Druck

Dass psychische Belastungen auch unter Landwirten in Deutschland eine große Rolle spielen, zeigt eine 2025 veröffentlichte Analyse der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Das Forschungsteam vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin wertete elf zwischen 2014 und 2024 erschienene Studien zur psychischen Gesundheit in der Landwirtschaft aus. Untersucht wurden unter anderem Depressionen, Angst, Burn-out, Schlafstörungen und Stress. Besonders häufig ging es um depressive Symptome. In der einzigen einbezogenen Studie, die deren Häufigkeit konkret ermittelte, wurden 2.788 Landwirte aus Deutschland und Österreich untersucht, 85 Prozent der Teilnehmer kamen aus Deutschland. 23,6 Prozent zeigten klinisch relevante depressive Symptome. Als wiederkehrende Belastungsfaktoren nannten die Wissenschaftler unter anderem finanzielle Schwierigkeiten, bürokratischen Druck, lange Arbeitszeiten und Zeitdruck sowie familiäre und generationelle Konflikte.

Das Thünen-Institut hat Anfang September 2026 hingegen eine Studie zur psychischen Gesundheit von Frauen in der Landwirtschaft veröffentlicht. Die Analyse basiert auf der bundesweiten Landfrauenstudie mit 7.354 Teilnehmerinnen aus dem Jahr 2021. Danach leiden 21,5 Prozent unter Burn-out-Symptomen, bei familienfremden Angestellten ohne Leitungsfunktion sind es sogar 27 Prozent. Burn-out gilt medizinisch als Erschöpfungsdepression. Als Belastungen nennt das Thünen-Institut unter anderem die Doppelbelastung durch Hof- und Sorgearbeit, fehlende Freizeit, finanzielle Zukunftssorgen und drohende Altersarmut.

Wenn Sie selbst von Depressionen oder Suizidgedanken betroffen sind, erhalten Sie rund um die Uhr kostenlose und anonyme Hilfe bei der TelefonSeelsorge unter 0800/1110111, 0800/1110222 oder 116123. In akuten Notfällen wenden Sie sich an den Rettungsdienst unter 112. Speziell für Menschen aus der Landwirtschaft bietet zudem die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) Beratungs- und Unterstützungsangebote bei psychischen Belastungen an.

Weitere Neuigkeiten aus der Landwirtschaft finden Sie im Newsbereich der gvf VersicherungsMakler AG auf gvf.de.

Foto: Standl (Symbolbild)

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