Vielversprechende Technik: So können Insekten während der Grünlandmahd geschützt werden
Forscher der Universität Hohenheim arbeiten an zwei Techniken, die Insekten vor Mähwerken schützen. Eine der Methoden ist bereits ein Favorit des Forschungsteams.
- Hintergrund zur Biodiversität
- Insekten werden verscheucht
- Gebläsescheuche
- Von der Forschung in die Praxis
Während des Mähens von Grünland kommen zahlreiche Insekten ums Leben. Um das zu umgehen, suchen Wissenschaftler der Universität Hohenheim Möglichkeiten, die Verluste zu verringern und so die Artenvielfalt zu erhalten. Auf dem Versuchsfeld der Uni in Stuttgart testet das Forscherteam Insektenscheuchen, die Insekten unmittelbar vor den Mähwerken aus der Gefahrenzone retten. Dabei geht es laut Prof. Dr. Johannes Steidle nicht um das Überleben der Kleinstlebewesen, wie er erklärt: „Insekten stehen am Beginn der Nahrungskette vieler Tiere.“ Das Insektensterben führe unmittelbar dazu, dass zum Beispiel Vögel, Amphibien oder Fledermäuse keine Nahrung mehr fänden.
Insekten werden verscheucht
Im Vorgängerprojekt „InsectMow“ haben die Wissenschaftler festgestellt, dass sich am Mähwerk selbst zu wenig zum Positiven verändern lässt. Nun verfolgt das Team einen anderen Ansatz, wie Steidle erklärt: „Wir versuchen, die Insekten zu retten, indem wir sie unmittelbar vor dem Mähwerk wegscheuchen.“ Dafür testen die Forscher zwei unterschiedliche Systeme. Eine sogenannte Bügelscheuche fährt mit Metallzinken durch den Grasbestand und bringt die Tiere dazu, wegzuspringen, wegzufliegen oder sich auf den Boden fallen zu lassen. Die sogenannte Gebläsescheuche hingegen arbeitet mit Luft. Dabei pustet ein vor dem Mähwerk montiertes Gebläse die Insekten einfach weg.
Gebläsescheuche ist vielversprechend
Um die Wirkung zu testen, mähen die Forscher eine standardisierte Fläche mit einer der beiden Techniken und fangen unmittelbar darauf alle verbleibenden Insekten. Dabei helfen sogenannte Gazewürfel auf der Fläche, die sie dann mit einem umgebauten Laubbläser leersaugen. Ein Gazewürfel ist ein würfelförmiger Käfig, der mit Gaze, einem feinen und luftdurchlässigen Netzgewebe, bespannt ist. Zusätzliche Netze über und neben dem Mähwerk fangen Tiere auf, die über das Mähwerk flüchten oder zur Seite wegspringen. Anschließend beginnt die eigentliche Auswertung: Über Monate werden sämtliche Proben sortiert, Spinnen und Insekten bestimmt und gezählt. Erst dann kann verglichen werden: Wie viele Tiere sind nach der Mahd ohne Scheuche, mit Bügelscheuche oder mit Gebläsescheuche auf der Fläche verblieben? Und wie viele Tiere sind weggescheucht worden und finden sich in den Netzen über und seitlich des Mähwerks? Die Gebläsescheuche ist bereits der Favorit der Wissenschaftler.
Von der Forschung zur Standardtechnik
Langfristig wollen die Forscher Insektenscheuchen als Standard bei der Grünlandmahd etablieren. Zunächst richtet sich das Vorhaben vor allem an den ökologischen Landbau. Perspektivisch könnten die Systeme jedoch in der gesamten Landwirtschaft eingesetzt werden und so helfen, die Insektenverluste auf Wiesen deutlich zu verringern. In dem Projekt arbeiten Agrartechniker und Biodiversitätsforscher Hand in Hand.
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Foto: Universität Hohenheim/Frank Roller (unger+)