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Pflanzen sind nicht unbedingt kaputt: Warum Zuckerrüben jetzt die Blätter hängen lassen

Wenn Zuckerrüben die Blätter hängen lassen, kann das eine Art „Mittagsschlaf“ sein. Sie schützen sich vor der Sonne. Wenn sich die Blätter allerdings am Abend nicht mehr aufrichten, sollte man aufmerksam sein.
  • Wenn Zuckerrüben die Blätter hängen lassen
  • Funktion des Schutzmechanismus
  • Dauerhaft hängende Blätter

An Zuckerrübenfeldern bietet sich derzeit vielerorts ein ungewohntes Bild: Die Pflanzen lassen die Blätter hängen, vor allem in den Mittagsstunden. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie beschädigt sind. In den meisten Fällen ist das nichts weiter als eine geniale Funktion, die die Pflanzen vor starker Sonneneinstrahlung schützt. Gerade in diesem sehr heißen Sommer ist das relevant. 

Steigen die Temperaturen deutlich an und scheint die Sonne intensiv auf die Blätter, erhöht sich die Verdunstung erheblich. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer (LWK) Nordrhein-Westfalen verändert die Pflanze ihre Blattstellung, um Wasser zu sparen. Die Blätter verlieren ihre aufrechte Haltung und hängen herab. Dadurch wird die Verdunstungsfläche verkleinert. Die Pflanze schützt sich so vor übermäßigem Wasserverlust und kann ihre vorhandenen Wasserreserven besser nutzen.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Rübenkörper bereits angelegt. Die Pflanzen befinden sich in der Phase des stärksten Wachstums der Speicherwurzel und lagern zunehmend Zucker ein. Die Energie, die über die Blätter durch Photosynthese gewonnen wird, fließt damit nicht nur in das Blattwachstum, sondern auch in die Entwicklung der Rübe im Boden.

Zuckerrüben haben Schutzmechanismus gegen Hitze

Die LWK erklärt weiter, dass Zuckerrüben über ein tief reichendes Wurzelsystem verfügen. Dadurch können sie Wasser auch aus tieferen Bodenschichten aufnehmen, wenn die oberen Zentimeter des Bodens bereits ausgetrocknet sind. Das Herabhängen der Blätter bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Pflanze unter dauerhaftem Wassermangel leidet. 

Sobald die Temperaturen am Nachmittag sinken und die Sonneneinstrahlung nachlässt, richten sich die Blätter in der Regel wieder auf. Besonders an Standorten mit guter Wasserspeicherung lässt sich dieses tägliche Wechselspiel beobachten. 

Anhaltender Trockenstress bleibt problematisch

Entwarnung gilt allerdings nicht in jedem Fall. Bleiben die Blätter auch am Abend oder nach einer kühleren Nacht schlaff oder erholen sich die Pflanzen über mehrere Tage nicht mehr, kann dies auf ernsthaften Trockenstress hindeuten. Laut der LWK wird das Wachstum dann deutlich eingeschränkt. Die Pflanzen bilden weniger Blattmasse, ältere Blätter können absterben und die Ausbildung der Rübenkörper verlangsamt sich. Trockenstress kann zu Ertragseinbußen führen, weil die Rüben weniger Zucker bilden.

Die Landwirtschaftskammer empfiehlt daher, den Zustand eines Bestandes nicht allein anhand der Blattstellung während der Mittagsstunden zu beurteilen. Entscheidend sei vielmehr, ob sich die Pflanzen in den kühleren Abend- und Nachtstunden wieder erholen. Ist das der Fall, handelt es sich meist um den natürlichen Schutzmechanismus der Zuckerrübe gegen Hitze. Erst wenn die Blätter dauerhaft schlaff bleiben, besteht Anlass, von einer anhaltenden Trockenbelastung auszugehen. 

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Foto: Zeller/VSZ

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