NeuestePflanzenbau

Marmorierte Baumwarze: Forscher finden Methode zur Bekämpfung ohne Pestizide

Die marmorierte Baumwanze breitet sich weiter in Deutschland aus. Wissenschaftler haben nun eine Methode zur natürlichen Bekämpfung gefunden.
  • Hohe Schäden durch Marmorierte Baumwanze
  • Marmorierte Baumwanze wird mit Duftstoffen gelockt
  • Weitere Forschungsarbeit erforderlich

Wie groß die wirtschaftlichen Schäden durch die Marmorierte Baumwanze werden können, zeigte sich bereits 2019 in Norditalien. Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) verursachte der aus Asien eingeschleppte Schädling dort Verluste von mehr als 500 Millionen Euro im Obstbau. Besonders gefährdet sind Äpfel und Birnen, aber auch Kirschen, Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen, Beerenobst, Haselnüsse und Weintrauben gehören zu den Wirtspflanzen. Auch in Deutschland ist die Marmorierte Baumwanze längst kein regionales Problem mehr. Seit ihrem ersten deutschen Nachweis 2011 in Konstanz hat sie sich vom Südwesten aus immer weiter ausgebreitet. Nach Angaben des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) war sie 2025 bereits in ganz Deutschland verbreitet. Aktuelle Beobachtungen zeigen zudem eine zunehmende Ausbreitung in Mitteldeutschland, insbesondere in Sachsen. Die europäische Pflanzenschutzorganisation EPPO stuft die Art 2026 für Deutschland inzwischen als weitverbreitet ein. Forscher des Julius-Kühn-Instituts (JKI) haben nun eine Methode entwickelt, den Schädling ohne Pestizide zu bekämpfen.

Marmorierte Baumwanze wird mit Duftstoffen gelockt

Das Bekämpfungskonzept beruht laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf einem sogenannten Push-and-Pull und Attract-and-Kill-System. Dabei werden die Schadinsekten zunächst mit speziellen Duftstoffen aus der Obst- oder Gemüsekultur verdrängt, an eine spezifische Lockstelle geführt und dort mit einem natürlichen Pyrethrum-Extrakt getötet. Die Ausbringung der Duftstoffe im Bestand erfolgt über spezielle Kapseln.

Weitere Forschungsarbeit erforderlich

Für alle drei Schritte hat das Forschungsteam zusammen mit der Hochschule Bielefeld und Biocare Biologische Schutzmittel GmbH wirksame Substanzen gefunden. Eine Herausforderung ist jedoch, dass die Insekten nur auf bestimmte Konzentrationen der Duftstoffe reagieren. Sind diese zu hoch oder zu gering, bleibt die gewünschte Wirkung aus. Das eingesetzte natürliche Pyrethrum-Extrakt hat sich in Kombination mit einer Öl- und Zuckerlösung als sehr wirksam zum Abtöten der Tiere erwiesen. Mit dieser Formulierung werden Kapseln gefüllt, die von den Wanzen angestochen werden. Das Kontaktgift wirkt so selektiv auf die Schadinsekten und schont Nützlinge. In weiteren Schritten sollen die Duftstoff-Konzentrationen optimiert werden, um die Methode praxistauglich zu machen.

Das vierjährige Projekt BIOBUG wurde über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) finanziert.

Weitere Neuigkeiten aus der Landwirtschaft finden Sie im Newsbereich der gvf VersicherungsMakler AG auf gvf.de.

Foto: Julius Kühn-Institut/K. Klostermann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner