Wolfsentschädigungen: Werden DNA-Analysen bewusst verzögert?

Institut braucht monatelang für Analysen von Bissspuren. Tierhalter warten genauso lange auf Entschädigungen im Falle eines Wolfsbisses.

Von Michi Jo Standl

Die Ausbreitung von Wölfen in Deutschland ist den Weidetierhaltern verständlicherweise ein Dorn im Auge. Nicht nur die Gefahr von Rissen durch Wölfe ist allgegenwärtig. Auch die Qualität des Fleisches aus Schafsherden in Regionen, in denen sich Wölfe aufhalten, leidet stressbedingt. Verluste entstehen auch durch ausbleibende Zwillings- und Drillingsgeburten. Die Natur verschont durch diese Zurückhaltung quasi Lämmer vor der Konfrontation mit dem Wolf.

Wolfsberater kümmern sich bundesweit um das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturschutz. Wird ein gerissenes Tier aufgefunden, nehmen die Berater Proben und schicken diese an ein wissenschaftliches Institut, in den meisten Fällen an die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt. Im Labor wird anhand von DNA aus den Bisswunden getestet, ob das Tier von einem Wolf oder etwa von einem streunenden Hund getötet wurde.

Auswertung dauert monatelang
Doch Niedersachsen hat ein Problem. Die Wolfsberater aus dem nördlichen Bundesland sehen sich mit ungewöhnlich langen Analysezeiten konfrontiert. Da kann der Test einer Probe schonmal neun Monate dauern. „Das fördert natürlich die Akzeptanz bei den Weidetierhaltern nicht.“, so Wolfsberater Carl Lauenstein. Denn solange nicht feststeht, dass das Tier von einem Wolf gerissen wurde, gibt es auch keine Entschädigung für den betroffenen Tierhalter.

„Ich habe im Februar des vergangenen Jahres eine Probe gezogen, die Auswertung aber erst am Jahresende bekommen.“, ärgert sich Lauenstein. „Ich höre immer wieder von Kollegen aus anderen Bundesländern, etwa aus Bayern, dass die Ergebnisse der Proben aus deren Bundesländern schneller geliefert werden“, sagt der Experte.

Das bestätigt auch Julia Schmid, Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU): „Unserer Erfahrung nach benötigt das Senckenberg Institut im Schnitt etwa zwei bis drei Wochen“. „Durch personelle Engpässe, wie Urlaubszeit, kann es schonmal etwas länger dauern.“, fügt Schmid hinzu. Aber von Zeitspannen bis zu neun Monaten weiß man in Bayern offensichtlich nichts. „Eine entsprechende Analyse sollte in 48 Stunden erledigt sein“, weiß auch Steven Seet vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Berlin.

Ein Grund für die Verzögerungen kann auch sein, dass die Untersuchungen weit über die für die Weidetierhalter interessanten Aspekte hinaus geht. Das Institut untersucht die Spuren im Sinne der Wissenschaft auch genetisch, etwa wo der Wolf herkommt. Das braucht Zeit. Bezahlt werden die Analysen von den Landwirtschaftsministerien der Länder. Warum ausgerechnet Niedersachsen mit so langen Wartezeiten konfrontiert ist, weiß Carl Lauenstein nicht. „Warum das so ist, kann uns keiner sagen, das wird von einen auf den anderen geschoben“, sagt Lauenstein.

Politik zulasten der Tierhalter
Das niedersächsische Problem ist auch beim Deutschen Bauernverband (DBV) bekannt. Dr. Stefan Völl, Referatsleiter im DBV und Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Ziegenzüchter (BDZ) und der Vereinigung deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL), vermutet hinter der Situation in Niedersachsen politische Gründe: „Die CSU-Regierung in Bayern zum Beispiel steht deutlich besser hinter den Weidetierhaltern. Das grüne niedersächsische Landwirtschaftsministerium lässt leider die Weidetierhalter bei der Frage des Herdenschutz im Vergleich zu anderen Bundesländern im Stich, und das obwohl gerade Schaf- und Ziegenhalter die politischen und auch gesellschaftlichen Wünsche erfüllen.“

Das Senckenberg Institut war zu keiner Stellungnahme zur Dauer von Analysen bereit.

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