Wolf in Schleswig-Holstein: Verbände kritisieren Entnahme

Nachdem in Norddeutschland zwei Wölfe zur Entnahme freigegeben wurden, spaltet der Umgang mit dem Wolf sogar den NABU.

Nachdem der verhaltensauffällige Wolf mit der Bezeichnung GW924m mehrere Zäune überwunden hat, wurde das Tier von Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zum Abschuss freigegeben. Dem Tier werden mehrere Schafrisse im Raum Südholstein zugeordnet.

BUND macht Gegenvorschläge zum Umgang mit dem Wolf

„Hier ist ganz eindeutig eine politisch motivierte Entscheidung getroffen worden, die einer fachlichen Beurteilung nicht standhält“, kommentiert BUND-Geschäftsführer Ole Eggers. Er wirft dem Ministerium vor, vor den Befürwortern des Abschusses “eingeknickt” zu sein. Eggers kritisiert, dass die Schutzmaßnahmen gegen den Angriff durch Wölfe nicht der Realität entsprechen. Das Umweltministerium hatte die Zaunhöhe von maximal 1,08 Meter als sicher bewertet.

“Hunde mit ähnlichen Körpermaßen, zum Beispiel Border Collies, überspringen solche Zaunhöhen problemlos.“, weiß BUND-Sprecher Reinhard Degener.

„Ein Abschuss löst das Problem nicht. Bei weiterhin mangelhaften Schutzvorkehrungen ist es nur eine Frage der Zeit, bis erneut ein Wolf im betroffenen Gebiet oder anderswo Zäune überspringt und Schafe reißt”, fügt Degener hinzu. Der BUND befürchtet durch die Abschussgenehmigung einen Präzedenzfall. Die Umwelt- und Naturschützer fordern stattdessen mehr unbürokratische Unterstützung der Weidetierhalter und eine Anpassung der Schutzmaßnahmen durch das Bundesamt für Naturschutz.

Wölfe spalten den NABU

Der Naturschutzbund (NABU) in Schleswig-Holstein trägt laut taz die Entscheidung des Ministers mit. “Wenn ein ganzes Rudel lernt, wie es solche Zäune überwinden kann, dann haben wir echte Probleme auf dem Land”, sagte NABU-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Er sieht die Akzeptanz gefährdet. “Für den Wolf als Art ist es besser, wenn einzelne Tiere nach strenger Prüfung der Umstände entnommen werden”, zitiert die taz den Naturschützer.

Auch Niedersachsen hat einen Wolf – er hat die Code-Nummer GW 717m – zur Entnahme freigegeben. Der niedersächsische NABU zeigt dabei weniger Verständnis. Der “Anzeiger für Harlingerland” zitiert den NABU-Wolfsbeauftragten für Wilhelmshaven und das Oldenburger Land, Axel Bürgener: „Die Ausnahmegenehmigung des Ministers (Umweltminister Olaf Lies, Anm.), einen Wolf zu ,entnehmen’, ist de facto ein Schießbefehl.” Bürgener wirft dem SPD-Politiker eine fragwürdige Auslegung internationalen und nationalen Rechts vor. “Er setzt sich auch eklatant über die im Wolfskonzept seines eigenen Hauses festgelegten Grundsätze hinweg“, so Bürgener.

Ein Gedanke zu „Wolf in Schleswig-Holstein: Verbände kritisieren Entnahme

  • 05.02.19 um 21:27
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    Dafür, dass aus populationsgenetische Sicht Deutschland keine residenten Rudel dulden müsste leisten wir uns ganz schön viele Wölfe. Daher finde ich die Idee alle Wölfe abzuschießen, die 105 cm Zäune überwinden und sich Dörfern und Menschen nähern, nicht unlogisch. Dann bleiben, unabhängig von deren absoluter Zahl, die übrig, die Herdenschutz respektieren. So einfach könnte es sein. Daraus könnte man dann einen vernünftigen Plan entwickeln, wie man den jährlichen Zuwachs abschöpft. Die Wölfe hatten jetzt 20 Jahre Zeit uns zu demonstrieren wie sie sich, im Gegensatz zu den Vorhersagen/Wunschträumen der sogenannten Naturschutzverbände, verhalten. Es ist nun an der Zeit aktiven Herdenschutz mit der Büchse zu betreiben. Wie es in den Ländern die seit jeher bis heute Wölfe beherbergen schon immer gehandhabt wird. Dafür hätte ich gerne auch 20 Jahre Zeit.
    Ein paar Wölfe, die der auf ca. 8.000 Tiere geschätzten Population, zu der die Wölfe in Deutschland genetisch gehören, durch diese Form der Bewirtschaftung fehlen spielen für diese Population keine Rolle. Allerdings fallen dann Spenden, Wolfspatenschaften, Jobs für sonst arbeitslose Biologen, Stewardessen und Hundetrainer weg. Gelder, die dann in effektiven Naturschutz, Schulen KiTas und vor Allem Bildung gesteckt werden könnten.

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