Wölfe: Naturschützer und Weidetierhalter sind sich einig

In die Debatte um die Wölfe kommt offenbar Bewegung. Organisationen aus der Weidetierhaltung und dem Naturschutz haben gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet.

Ein Bündnis aus elf Organisationen der Nutztierhaltung, des Natur- und Tierschutzes sowie der Jagd hat gemeinsame Empfehlungen für Herdenschutz und Kriterien zur Tötung von auffälligen Wölfen vorgelegt. Ziel ist, diese bundeseinheitlich umzusetzen, den “Flickenteppich” zu beenden. Die Verbände kritisieren auch die rechtliche Unsicherheit beim Umgang mit Wölfen. Die Initiatoren fordern Rahmenregelungen des Bundes, um eine tragfähige Koexistenz zwischen Wölfen und Weidetierhaltung zu ermöglichen.

Herdenschutz geht vor Tötung der Wölfe

Das Eckpapier unterscheidet sich grundlegend von den geplanten Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Es liefert inhaltliche und praktikable Lösungsansätze sowie konkrete Empfehlungen für den flächendeckenden Herdenschutz. Gefordert wird eine kostendeckende staatliche Förderung, die auch laufende Unterhaltskosten, etwa für Herdenschutzhunde, umfasst. Tötungen von auffälligen Wölfen betrachten die Verbände als das letzte Mittel im Einzelfall. An gutem Herdenschutz führe kein Weg vorbei, so das Bündnis. Sie fordern sowohl das Umwelt– als auch das Landwirtschaftsministerium auf, sich dafür gemeinsam einzusetzen.

EU-Förderung für Herdenschutz

Die Europäische Kommission hat laut dem Bündnis inzwischen die Möglichkeiten für eine umfassende Förderung des Herdenschutzes geschaffen. Die Verbände fordern Bund und Länder auf, jetzt dringend zu handeln. Über flächenbezogene Zuschläge zu bereits bestehenden Agrarumweltmaßnahmen könnten beispielsweise Unterhaltskosten ausgeglichen werden. Ausgleichsleistungen für Tierverluste sollten aus Sicht des Bündnisses dann greifen, wenn Maßnahmen zum Standardschutz umgesetzt wurden. Dazu zählen beispielsweise bodenabschließende Elektronetze mit einer Höhe von 90 cm für Schafe und Ziegen. Eine Möglichkeit zur Erhöhung sei die Aufstockung auf 120 cm durch den Einsatz von Flatterband. Überwindet ein Wolf einen solch erhöhten Schutz, um Nutztiere anzugreifen, sollte er von einer Fachperson geschossen werden. Das müsse durch die zuständige Landesbehörde genehmigt werden. In dem Verbändepapier heißt es dazu, das betreffende Tier sei hinreichend zu identifizieren. Bestenfalls werde es direkt bei einem Folgeübergriff auf eine geschützte Herde gestellt.

Wolfsschützer und Tierhalter an einem Tisch

Das Bündnis besteht aus:

– Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde
– Bundesverband Berufsschäfer
– Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
– Deutscher Tierschutzbund
– Gesellschaft zum Schutz der Wölfe
– International Fund for Animal Welfare
– Naturschutzbund Deutschland
– Ökologischer Jagdverband
– Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland
– Verein für arbeitende Herdenschutzhunde – WWF Deutschland

Das Papier kann auf der Internetseite des NABU als PDF abgerufen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.