Wölfe: Deshalb nehmen Übergriffe jetzt zu

Im Spätsommer und Herbst ist die Gefahr von Angriffen durch Wölfe auf Weidetiere größer – aus zwei Gründen.

Im Spätsommer und Herbst muss besonders auf einen guten Herdenschutz geachtet werden, weil es in dieser Zeit erfahrungsgemäß vermehrt zu Übergriffen durch Wölfe auf Nutztiere kommen kann. Das teilt die Fachstelle Wolf des Landesumweltamtes Sachsen (LfULG) mit. Dieses saisonale Muster ist laut der Behörde auch aus anderen Bundesländern und anderen europäischen Wolfsgebieten bekannt.

Wölfe haben im Herbst bei Weidetieren eine größere Chance

Die Gefahr liegt zum einen am erhöhten Nahrungsbedarf der schon fast ausgewachsenen Wolfswelpen. Zum anderen sind Kitze, Hirschkälber und Frischlinge im Herbst schon zu reaktionsschnellen Wildtieren herangewachsen. Im Frühling hingegen sind die Jungtiere leichte Beute. Deshalb stellen insbesondere Schafe und Ziegen wegen ihrer geringen Körpergröße, ihrem kaum vorhandenen Verteidigungs- oder Fluchtvermögen und ihrer oft extensiven Freilandhaltung eine leichte Beute dar.

Jetzt Schutzmaßnahmen überprüfen

Das LfULG empfiehlt Tierhaltern, die ihre Schafe und Ziegen nicht über Nacht einstallen können, gerade jetzt ihre Schutzmaßnahmen auf Schwachstellen zu prüfen. Wenn Mängel festgestellt werden, sollten diese zeitnah beseitigt werden, um den Verlust von Nutztieren durch Wölfe möglichst zu verhindern. Die Umzäunungen dürfen keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden bieten und alle Seiten der Koppeln müssen geschlossen sein. Über offene Gräben oder Gewässer können Wölfe leicht eindringen. Außerdem sollte die Koppel nicht zu klein sein, damit die Tiere selbst bei einem versuchten Übergriff durch einen Wolf genügend Platz zum Ausweichen haben und nicht aus der Koppel ausbrechen. Stromführende Zäune mit einer Höhe von 90 cm bis 120 cm bieten laut LfULG einen wirksamen Schutz, da ein schmerzhafter Stromschlag den Wolf in der Regel abschreckt.

Nicht alle Zäune sind geeignet

Geeignet sind sowohl Netzzäune als auch stromführende Litzenzäune mit mindestens vier Litzen bei 90 cm Höhe und 5 Litzen bei 120 cm Höhe. Bei den Elektrozäunen ist auf eine ausreichende Spannung von mindestens 2.500 Volt und eine gute Erdung zu achten. Ebenso müssen die Zäune gut gespannt sein, so dass sie die empfohlene Höhe auf der gesamten Koppellänge aufweisen und keine Möglichkeiten zum leichten Einspringen an durchhängenden Stellen bieten. Festzäune aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material werden seitens des Wolfsmanagements für Schafe und Ziegen nicht empfohlen. Im Gegensatz zu Elektrozäunen verursachen sie keinen Schmerz, so dass sie von Wölfen leicht überwunden werden können.

Förderungen für präventive Maßnahmen

Sächsische Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern haben die Möglichkeit, sich im Rahmen der Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ präventive Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe fördern zu lassen. Förderfähig sind die Anschaffung von Elektrozäunen, Weidestromgeräten, Flatterband und Herdenschutzhunden sowie die Installation von Untergrabschutz bei Wildgattern. Dies gilt sowohl für Hobbyhalter als auch für Tierhalter im landwirtschaftlichen Haupt- oder Nebenerwerb. Der Fördersatz liegt bei 100 Prozent der förderfähigen Ausgaben.

Fragen zu Maßnahmen für den Herdenschutz beantwortet der Herdenschutzbeauftragte Ulrich Klausnitzer: Telefon 0151/50551465, E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org.

Die Wolfsmanagementpläne der anderen Bundesländer findet man auf der Internetseite der AG Herdenschutzhunde.

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