„Wenn Autos rasen, wird CO₂ in die Luft geblasen“

Wo bleibt der Aufschrei des Bundesumweltministeriums?

Ein Kommentar von Michi Jo Standl

„Wenn Autos rasen, wird CO₂ in die Luft geblasen“ wäre zum Beispiel ein Pendant zu den „Neuen Bauernregeln“, die auch den Klimaschutz thematisierten. Doch „Neue Verkehrsregeln“ auszugeben, würde dem Bundesumweltministerium wohl im Leben nicht einfallen. Denn Verkehr wird ernst genommen. Mobilität ist wichtig und ein hippes Schlagwort. 

Im März hat das Umweltbundesamt (UBA) Alarm geschlagen. Die Treibhausgas-Emissionen aus dem Verkehr seien 2016 im Vergleich zu 2015 um 3,4 Prozent gestiegen. Mit 5,4 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß ist die Belastung sogar um 2 Millionen Tonnen höher als im Referenzjahr 1990. Die Landwirtschaft hingegen konnte den Ausstoß klimaschädlicher Gase um 0,2 Prozent weiter senken – seit 1990 um 15 Prozent – nicht nur von CO2. Im Übrigen ist die Agrarbranche nur für ungefähr 7 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich.

Wo bleibt der Aufschrei von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks? Wo bleibt das Verkehrsbashing? Man sucht vergeblich nach Provokationen in Richtung privater Autofahrer und Transportunternehmen.

Dass etwas gemacht werden muss, sind sich alle einig. Mobilität ist wichtig, die Lebensmittelversorgung der wachsenden Bevölkerung übrigens auch. Die Agrarbranche forscht, genauso wie Mobilitätsforscher, intensiv im Bereich Umweltverträglichkeit, wie etwa beim noch gezielteren Einsatz von Dünger. Den Landwirten ist die Natur wichtig. Sie leben und arbeiten schon immer mit ihr und der Umwelt. Es würde auch keinen Sinn machen, wenn Landwirte eine Erwärmung des Klimas ignorieren und künftig extreme Hitzeperioden und Überschwemmungen in Kauf nehmen würden.

Doch es gehört offenbar zum „guten Ton“, zuerst einmal die Landwirtschaft heranzuziehen. Dem Umweltbundesamt ist es in der Pressemitteilung zur Klimabilanz 2016 nur einen kleinen Satz ohne konkrete Zahlen wert, dass die Emissionen aus der Landwirtschaft gesunken sind. Nur in der Tabelle sieht man die konkreten Entwicklungen. Ist man etwa enttäuscht, dass die Landwirtschaft nach dieser Erhebung nicht weiter am Pranger steht? Wenn Barbara Hendricks bis zum Erscheinen der Klimabilanz gewartet hätte, hätte man auch 1,6 Millionen Euro Steuergeld für die unqualifizierte Bauernregel-Kampagne gespart.

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