Viele Landwirte sind depressiv

Depression wird inzwischen als „Volkskrankheit“ betrachtet. Menschen in der sogenannten „Grünen Branche“ sind laut SVLFG besonders gefährdet. Was ist Depression und wo bekommt man Hilfe?

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April macht die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) auf das Schwerpunktthema des diesjährigen WHO-Aktionstages aufmerksam: Depression. In Deutschland sind jährlich ungefähr 5 Millionen Menschen depressiv.

Auch oder vor allem vor dem landwirtschaftlichen Berufsstand machen psychische Krankheiten nicht halt. Sie stünden mittlerweile auf Platz zwei der Ursachenstatistik für Erwerbsminderungen in der grünen Branche, so der SVLFG. Die Sozialversicherung sieht als Gründe die hohe Arbeitsbelastung und die vielfältigen Anforderungen.

Niemand ist vor Depression geschützt

„Depression kann jeden treffen“, erklärt der Saarbrücker Diplom-Psychologe Frank Lessel, „unabhängig von der finanziellen Situation oder dem gesellschaftlichen Status“. Ursache für eine Depression sei Hoffnungslosigkeit. Sie spiele sich bei Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten auf unterschiedlichen Ebenen ab. „Während etwa eine alleinerziehende Mutter mit Hartz IV-Bezug krank werden kann, weil sie nicht weiß, wovon sie ihr Kind ernähren soll, kann ein gutsituierter Mensch sogar aufgrund einer Beförderung an Depression erkranken.“, erklärt der Psychologe. Das ist dann der Fall, wenn er keine Hoffnung hat, die zukünftigen Aufgaben zu bewältigen. Auch eine Heirat könne krank machen, sagt Lessel  – die neue Lebenssituation, das Aufgeben des Singlelebens. „Das kommt immer auf die eigene Wahrnehmung an“. Bei Landwirten wäre das zum Beispiel Zukunftsängste aufgrund niedriger Preise oder die Angst, mit den Förderungsformalitäten nicht zurecht zu kommen. Dazu kommt der Stress, sich dauernd für seinen Beruf rechtfertigen zu müssen. Das alles belastet.

Wie erkennt man eine Depression?

„Eine gedrückte Stimmung ist vorerst nur eine depressive Verstimmung. „Wenn sich das Gefühl aber über einen längeren Zeitraum aneinander reiht, sollte man zum Arzt gehen.“ Anzeichen sind auch innere Unruhe, Konzentrationsschwäche oder mangelndes Selbstwertgefühl. „Depressive Menschen öffnen zum Beispiel keine Briefe, nicht weil sie Angst vor etwa Mahnbescheiden haben, sondern aus Angst vor Zurückweisung“, weiß der Psychologe. „Wenn etwa ein Knöllchen-Bescheid über zehn Euro kommt, ärgern sich psychisch kranke Menschen nicht nur. Sie denken vielmehr, dass sie zu unfähig zum Parken sind.“, bringt Lessel ein Beispiel.

Falscher männlicher Stolz

„Depression ist eine tödliche Krankheit“, sagt Lessel. Sie kann zum Suizid führen, wenn sie nicht behandelt wird. Laut der offiziellen Statistiken entscheiden sich immer mehr Männer als Frauen zu dem Schritt, ihr Leben zu beenden. „Das liegt daran, dass sich Frauen eher in Behandlung begeben.“, so der Diplom-Psychologe. „Männer schämen sich oft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Lessel.

Wo bekommt man Hilfe?

Ein erster Anlaufpunkt kann der Hausarzt sein, der den Patienten nach einem Gespräch an einen Psychotherapeuten weiterleitet. Wenn man eine Depression in einem frühen Stadium erkennt, ist sie meist durch eine Gesprächstherapie heilbar. Die medikamentöse Behandlung soll erst beginnen, wenn die Gesprächstherapie nicht hilft. Begleitend zur Therapie ist auch die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe zu empfehlen.

Die SVLFG hilft, mit besonderen Lebenssituationen wie einer Betriebsübergabe, der Pflege von Angehörigen oder ungesundem Dauerstress besser umgehen zu können und möglichst gesund zu bleiben. Ideen können Versicherte bei „Gesundheit kompakt“ oder den sogenannten „Kurzkuren“ kennenlernen. Details finden sich im Internet unter www.svlfg.de und den Suchbegriffen „Gesundheitsangebote“, „Kurzkur“ oder „Gesundheitskurse“. Allgemeine Informationen über Depression bekommt man beim „Deutschen Bündnis gegen Depression“.

Michi Jo Standl

 

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