Verbot von Verbrennungsmotoren? Hat die Landwirtschaft Alternativen?

Markus Söder hat sich für ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 ausgesprochen. Hat er landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge berücksichtigt?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat im September ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 ins Spiel gebracht. Das sei ein gutes Datum, sagte er – nach kalifornischem Vorbild. Er dachte bei seiner Aussage wohl vor allem an den Straßenverkehr. Doch wäre das auch bei landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen möglich? Christian von Stetten (CDU), Vorsitzender des Union-Parlamentskreises Mittelstand, sieht Söders Vorstoß differenziert: „Wir sollten durch kluge politische und wirtschaftliche Anreize die Elektro- und Wasserstofftechnik zur Marktspitze führen.“ Zumindest in der Landwirtschaft und auf Baustellen würden Fahrzeuge mit Verbrennern auch nach 2035 zum Einsatz kommen. Über kurz oder lang wird aber der (umwelt)-politische Wunsch nach Alternativen auch die Agrarbranche erreichen.

Batterien ersetzen Verbrennungsmotoren noch nicht

Zwar wird seit Jahren an elektrobetriebenen landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen geforscht. Prototypen und auch praxisfähige Fahrzeuge namhafter Hersteller sind immer wieder auf Messen und Ausstellungen zu sehen – vorerst für die Bewirtschaftung kleinerer Flächen gedacht. Auf die Frage, wann „die ersten Bauern Elektro-Traktoren einspannen“, antwortete Prof. Peter Pickel, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei John Deere, in einem Interview mit dem Magazin „Edison“: „Das dauert noch eine ganze Weile“. Als Beispiel für den Entwicklungsstand nannte er den von John Deere 2015 vorgestellten SESAM-Traktor mit zwei Elektromotoren mit jeweils 150 Kilowatt Leistung – vier Stunden Laufzeit. Und das ist für Landwirte zu wenig. Sie wollen den Traktor den ganzen Tag nutzen, ohne dazwischen aufladen zu müssen. Batterien können nach derzeitigem Entwicklungsstand noch nicht genügend Energie speichern. An Batterien mit mehr Leistung wird geforscht, zum Beispiel vom Fraunhofer-Institut. Doch auch bei der Marktreife solcher „Superbatterien“ sind diese mittel- bis langfristig für Landwirte nicht erschwinglich. 2017 hat das Unternehmen den autonomen sogenannten GridCon-Traktor mit Kabeltrommel vorgestellt. Laut Pickel auch vorerst eine Vision.

Landwirte glauben nach wie vor an Diesel

Anfang des Jahres hat das Pflanzenschutzunternehmen Adama aus Köln in einer Umfrage Landwirte gefragt, wie sie sich den Antrieb auf deutschen Feldern 2040 vorstellen. 229 Landwirte haben geantwortet. Ein Großteil meint, dass der Diesel noch lange nicht ausgedient hat. Adama zitiert in einer Pressemitteilung einen Landwirt, der die Situation auf den Punkt bringt: „Alles andere als Diesel bringt zu wenig Kraft, um schwere Arbeiten zu verrichten.“ Wasserstoff sei eine teure Alternative.”Ein E-Traktor wäre nur für Hof- und Stallarbeit sinnvoll, wobei die Anschaffungskosten, Folgekosten, Unzuverlässigkeit bei Kälte und das unpraktische Aufladen abschrecken.“

Es ist aber davon auszugehen, dass sich in den nächsten Jahrzehnten in der Entwicklung viel tun wird.

Foto: pixabay (Symbolbild)

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