Tierwohllabel vorgestellt: Klöckner erntet Kritik

Nach zwei Jahren Entwicklung hat Landwirtschaftsministerin Klöckner das staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Die Grünen und Verbände kritisieren vor allem die Freiwilligkeit.

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin hat der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt die Idee für ein staatliches Tierwohllabel vorgestellt. Zwei Jahre lang wurde über die Inhalte und Richtlinien debattiert. Diese Woche hat nun Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Kriterien für die dreistufige freiwillige Tierwohlkennzeichnung der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Gesetzesentwurf liegt in Brüssel zur Notifizierung. Erste gekennzeichnete Produkte sollen 2020 in den Einzelhandel kommen.

Tierwohllabel gilt vorerst nur für Schweine

Die drei Stufen sind vorerst auf die Schweineproduktion ausgerichtet. Dabei wird der gesamte Zeitraum von der Geburt bis zur Schlachtung eines Tieres in den Blick genommen. Mindestens 20 Prozent mehr Platz für die Tiere gelten bereits in der ersten Stufe, aber auch ressourcen- und managementbezogene Kriterien liegen zu Grunde. Das Landwirtschaftsministerium plant, die Kennzeichnung auf andere Nutztierarten, wie Geflügel, auszuweiten.

Die Kennzeichnung hat drei Stufen

Das staatliche Tierwohlkennzeichen wird drei qualitativ aufeinander aufbauende Stufen haben, um die Vermarktungschancen zu optimieren. Die Kriterien des Kennzeichens sind unter anderem:

  • mehr Platz für die Tiere
  • mehr Beschäftigung und Raufutter
  • stärkere Buchtenstrukturierung
  • keine betäubungslose Ferkelkastration
  • längere Säugephase
  • Einstieg in den Ausstieg aus dem Schwänzekupieren
  • weitergehende Anforderungen an Eigenkontrollen
  • bessere Transportfahrzeuge ab 4 Stunden Transport
  • Optimierung der Tiergesundheit
  • mehr Tierschutz bei der Schlachtung
  • regelmäßige Tierschutzfortbildung der Tierhalter
  • Tränken, die ein Saufen aus offener Fläche ermöglichen

Grüne kritisieren Freiwilligkeit und Beschränkung auf Schweine

Grünen-Chef Robert Habeck kritisierte die Tierwohlkennzeichnung in einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ) als “Show”. „Das hilft keinem Schwein, Hühnern und Rindern schon gar nicht, und den Verbrauchern auch nur bedingt“, so Habeck. Er verwies darauf, dass das Label nicht verbindlich für alle Produkte eingeführt werde, sondern nur freiwillig und nur für Schweinefleisch gelte.

Der Politiker wirft Klöckner vor, vor der Agrarlobby zurückzuweichen und sich damit „faktisch gegen die Bauern“ zu stellen. “Derzeit diktierten einzelne Supermarkt-Ketten den Bauern die Produktionsbedingungen”, weiß Habeck. Er befürchtet, dass die Landwirte noch weiter geschwächt werden. Genau diese Spirale müsse man durchbrechen, so der Grünen-Politiker.

Demeter befürchtet Beschränkung auf Stufe 1

Auch der Bioverband “Demeter” kritisiert die Freiwilligkeit. Damit werde es keine lenkende Wirkung entfalten und seinen Zweck verfehlen, wirklich mehr Tierwohl zu bewirken, so der Verband in einer Pressemitteilung. Des weiteren befürchtet Demeter, dass sich die meisten Landwirte, die sich labeln lassen, mit Stufe 1 begnügen. „Bio“ bleibe damit das einzige umfassende, aussagekräftige und ganzheitlich geprüfte Label für wirkliches Tierwohl, ist sich der Verband sicher.

Gewerkschaft will Schlachthöfe einbeziehen

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) sieht ebenfalls in der Freiwilligkeit ein Problem. Vor allem vermisst die NGG aber, dass die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen sowie die Qualifikation der Arbeitskräfte in den Verarbeitungsbetrieben berücksichtigt werden.

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