Tierschutzbund verlässt „Initiative Tierwohl“

Der Tierschutzbund wirft trotz positiver Tierwohl-Entwicklung das Handtuch.

Der Deutsche Tierschutzbund verlässt die „Initiative Tierwohl“ (ITW) und wird künftig nicht mehr als Mitglied des Beraterausschusses an der Weiterentwicklung mitarbeiten. Bereits im August hatte der Verein den Schritt angekündigt. Die Initiative biete weder eine „langfristige Perspektive für den Tierschutz“ noch „Transparenz für den Verbraucher“, erklärt der Tierschutzbund. Die Initiative setze weiterhin auf Quantität statt auf Qualität, so der Verein weiter. Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder bemängelt, dass die im Rahmen der „Projektgruppe Schwein“, die vergangenen Mittwoch getagt hatte, viel zu vage seien und kein Fundament biete, auf dem ein Anspruch hin zu mehr Tierschutz basieren könne.

ITW-Geschäftsführer Hinrichs zeigt sich enttäuscht

„Die Initiative Tierwohl nimmt die Entscheidung des Deutschen Tierschutzbundes bedauernd zur Kenntnis“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative. Bereits im vergangenen Juni habe man sich in einem Entwurf auf Eckpunkte der Initiative Tierwohl für Schwein über 2017 hinaus verständigt – 100 Millionen statt 35 Millionen Euro pro Jahr, damit mehr Betriebe teilnehmen können, mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial für Schweine sowie die Konkretisierung des Tiergesundheits- und Tierwohlindex. Die Empfehlungen des Beraterausschusses habe man durchaus berücksichtigt, so ITW-Geschäftsführer Alexander Hinrichs. „Wir verdeutlichen damit den Willen und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Schade, dass der Deutsche Tierschutzbund diesen Weg nicht mehr gemeinsam mit uns gehen möchte.“, sagte Hinrichs.

Resignation der Grünen logische Reaktion

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, sieht nach dem Ausscheiden des Tierschutzbundes in der Initiative Tierwohl ein „sinkendes Schiff“, wie er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte. Die Zukunft der Initiative sehe düster aus, bekräftigte Ostendorff die grüne Resignation. Ohne Beteiligung eines gesellschaftlichen Verbandes verliere die Brancheninitiative ihre Glaubwürdigkeit.

Leidtragende des Zerwürfnisses seien einmal mehr die Bauern, zitiert das Blatt Ostendorff, der selbst Landwirt ist. „Meine Kolleginnen und Kollegen empfinden vor allem eines: Unsicherheit. Viele haben sich auf die Versprechen von Handel, Industrie und Bauernverband verlassen und für mehr Tierwohl investiert“, so der Politiker. Wenn die Bauern durch fehlende politische Gestaltung zu den Verlierern würden, bedrohe dies die Stabilität regionaler Lebensqualität.

ISN: „Austritt kalkuliertes Manöver“

Dass der Tierschutzbund sich nun der Mitarbeit bei der Initiative entziehe, sei nicht neu – bereits bei der Konzeption der Initiative sei das der Fall gewesen, so die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Der Tierschutzbund lege eine merkwürdige Diskussionskultur an den Tag. Diskutieren ja – Kompromisse würden aber nicht akzeptiert. Stattdessen zeige er nur Fundamentalopposition. Das könne nicht funktionieren, kritisiert die ISN. Die Interessengemeinschaft sieht den Tierschutzbund auch fachlich „auf dem Holzweg“. Beim eigenen Label habe es der Tierschutzbund trotz häufiger Ankündigungen bislang nicht über die Mast hinaus geschafft. In die Arbeit der Initiative Tierwohl sind hingegen auch Ferkelerzeugung und -aufzucht eingebunden. Die ISN sieht in dem Austritt ein „kalkuliertes Manöver“, bei dem die Gründe in anderen Bereichen liegen – beispielsweise, dass man von den Problemen des eigenen Labels ablenken möchte.

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