Tierschutz: Staatliche Videoüberwachung in Schlachthöfen?

Nachdem der Verdacht öffentlich wurde, dass mehrere Schlachthöfe massiv gegen den Tierschutz verstoßen haben, fordern Politiker Videoüberwachungen in den Betrieben, die Grünen sogar staatlich.

Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe legen wert auf artgerechte Tierhaltung und Tierwohl. Sie werden von Politik und Gesellschaft mit Argusaugen beobachtet. Nach einigen Vorkommnissen in Schlachthöfen liegt der Fokus auf verarbeitenden Betrieben. Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat anlässlich der jüngsten Verstöße gegen den Tierschutz in mehreren Schlachthöfen eine Videoüberwachung durch die Betriebe selbst gefordert. Der tierschutzpolitischen Sprecherin der Grünen, Miriam Staudte, geht das nicht weit genug. Sie fordert eine staatliche Kontrolle.

Amtsärzte sollen Tierschutz auf Videos kontrollieren

„Die Videoüberwachung darf nicht von den Schlachtbetrieben selbst organisiert werden! Mit diesem Vorstoß versucht Agrarministerin Otte-Kinast den Bock zum Gärtner zu machen”, sagte Staudte. Es liege auf der Hand, dass die Schlachthöfe sich mit dem Angebot der selbstorganisierten Videoüberwachung nur die Tierschützer vom Hals halten wollten, so die Politikerin. „Der Schutz der Tiere in den Betrieben muss unbedingt sichergestellt werden. Als Konsequenz aus den bekannt gewordenen schlimmen Fällen von Tierschutzvergehen fordern wir, dass staatliche Behörden für eine Videoüberwachung in den Schlachthöfen sorgen müssen”, fordert Staudte. Für eine sachgerechte Bewertung müsse das Filmmaterial ausschließlich von den amtlichen Veterinären begutachtet werden und nicht durch den Betrieb selbst.

Handelskette stellt Zusammenarbeit mit Schlachthof ein

Nach heimlich gedrehten Videoaufnahmen des Vereins “Tierschutzbüro” sind Missstände in einem Rinderschlachthof in Oldenburg bekannt geworden. Die norddeutsche Handelskette “Bünting-Gruppe”, zu der die Supermarktketten Combi und Famila gehören, hat bereits Konsequenzen gezogen und die Zusammenarbeit eingestellt. Eine Sprecherin der Handelsgruppe sagte der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ), man sei über die Vorgänge in dem Schlachthof entsetzt gewesen und halte diese für völlig inakzeptabel. „Aus diesem Grund haben wir bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt.“ Des Weiteren kündigte das Handelsunternehmen Kontrollen entlang der Fleisch-Lieferkette an.

Die Stadt Oldenburg konnte auf Anfrage der NOZ nicht mitteilen, wie viele Tierschutzverstöße die Veterinärbehörde der Stadt in dem Betrieb in den vergangenen Jahren festgestellt hat. Die Auswertung dauere an. Eine Sprecherin des wirschaftseigenen Kontrollsystems “QS” teilte aber mit, dass in den vergangenen Jahren mehrere Kontrollen stattgefunden hätten. Dabei seien keine Abweichungen festgestellt worden.

Weitere Vorfälle in jüngster Vergangenheit

Bereits Mitte Oktober wurde ein anderer Schlachthof im Landkreis Osnabrück vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVAS) vorübergehend stillgelegt. Anfang November kamen die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen von Fleisch: Belastungen bestätigten sich nicht. Nach Recherchen des zur NOZ gehörenden Delmenhorster Kreisblattes besteht auch der Verdacht, dass bereits tote Tiere angeliefert wurden. Der Betrieb verfügt über keine QS-Zulassung. Diese ist aber Voraussetzung, um mit Handelsketten zusammenzuarbeiten. An wen der Schlachthof geliefert hat, ist laut der Zeitung unklar. Offenbar hat das Unternehmen an mindestens zwei orientalische Supermärkte geliefert, in denen das Rindfleisch als “halal” verkauft wurde. Zwischenzeitlich hat der Betreiber des Schlachthofes angekündigt, sein Unternehmen aufzulösen.

Des Weiteren wurde bekannt, dass in einem Schlachthof in Brandenburg Rinder nicht fachgerecht betäubt wurden. Der Betreiber hat die Produktion inzwischen selbst eingestellt.

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