Tierarzneimittel sollen auf Umweltverträglichkeit überprüft werden

Das Umweltbundesamt hat die Umweltverträglichkeit von Tierarzneimittel im Visier. Ein entsprechendes Internetportal gibt es schon.

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt dem EU-Gesetzgeber, für bereits zugelassene Tierarzneimittel eine Umweltbewertung vorzuschreiben. Das betrifft Medikamente, zu denen bisher keine Umweltdaten vorliegen. Insbesondere für Antibiotika sei das wichtig, denn sie könnten in Böden und Gewässern die Bildung von resistenten Krankheitserregern fördern, so das UBA. Nötig seien zudem Kriterien für die Zulassung, die das Resistenz-Potential von Antibiotika prüfen. Ergänzend will das UBA ein verpflichtendes flächendeckendes Monitoring von problematischen Arzneimitteln einführen.

Über Gülle in das Grundwasser

Dem UBA ist zwar klar, dass Antibiotikaresistenzen vor allem in Krankenhäusern eine Bedrohung für die Gesundheit sind. Doch das Amt sieht auch zunehmende Antibiotikafunde in der Umwelt mit großer Sorge. “Wir müssen verhindern, dass Antibiotikarückstände in der Umwelt zum Problem werden, weil dies die Entwicklung von Resistenzen fördern könnte”, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Sie befürchtet, dass aus der Tierhaltung Antibiotika und resistente Erreger über Gülle und Dung in das Wasser gelangen könnten. “Wir müssen daher gemeinsam mit der Tiermedizin und der Landwirtschaft daran arbeiten, den Eintrag von Antibiotika aus der Tierhaltung zu senken”, so Krautzberger.

Zur Internationalen Grünen Woche startete das UBA das neue Internetportal “Tierarzneimittel in der Umwelt”. Darin werden vor allem für tierärztliches Fachpersonal und Landwirte praxisnahe Maßnahmen vorgeschlagen, um den Antibiotikaeintrag in die Umwelt zu minimieren.

Größter Verursacher sind Krankenhäuser

Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) sieht die Bedenken des Umweltbundesamtes zwiegespalten. Natürlich sei es richtig, genau hinzuschauen, wo Resistenz-Potenziale durch Antibiotika entstehen, so der Verband. Die ISN weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Tierhaltung in den vergangenen Jahre den Antibiotikaeinsatz halbieren konnte. Der Verband hat aber kein Verständnis dafür, dass das UBA den Blick allein auf die Tierhaltung richtet.

Der mit Abstand größte Verursacher von Resistenzen sei die Humanmedizin, so die Interessengemeinschaft. Sie vermisst die flächendeckende Umweltverträglichkeitsprüfung von Humanarzneimittel. Durch diese gelangen resistente Keime über Krankenhäuser und Privathaushalte in das Grundwasser. Wenn das Umweltbundesamt gemeinsam mit der Tiermedizin und Landwirtschaft an der Thematik arbeiten wolle, dann dürfe nicht der Eindruck entstehen, der Schwarze Peter wird in Richtung Tierhaltung geschoben. Die Humanmedizin müsse hier mit ins Boot.

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