Südamerikanische Konkurrenz fürs Schaf

Von einer absoluten Seltenheit kann man nicht mehr sprechen, wenn ein langer flauschiger Hals samt neugierigem Gesicht über einen deutschen Weidenzaun ragt. „Ein Lama!“ wird es wohl den meisten Menschen entfahren. Fast richtig, es handelt sich um einen nahen Verwandten, das aus den südamerikanischen Anden stammende Alpaka. Diese Tiere bieten für Züchter interessante Ertragsmöglichkeiten.

Auf 9000 bis 10.000 Tiere schätzt Egbert Böhm, Präsident des „Alpaka Zucht Verband Deutschland“, den Bestand hierzulande. „Die Anzahl der Tiere ist den letzten Jahren unheimlich gestiegen und es werden auch immer mehr Züchter“ berichtet Böhm. „Allein in den letzten zwei Jahren hat sich deren Zahl ungefähr verdoppelt. In Deutschland gibt es damit zur Zeit ungefähr 380 bis 400 Züchter.“ Die genaue Zahl kann Böhm schwer nennen, denn die Alpaka-Halter seines Verbandes sind teilweise auch in den anderen deutschen Dachorganisationen gemeldet. Zudem besteht ein enges internationales Netzwerk, dessen ausländische Mitglieder teils über deutsche Partnerbetriebe registriert sind.

Ist das Alpaka im Heimatland Südamerika ein ganz alltägliches Nutztier, dessen hochwertiges und schmackhaftes Fleisch gegessen wird, spielt es in Deutschland trotz der zunehmenden Verbreitung derzeit nur in Bereichen jenseits der Nahrungsmittel eine Rolle. So wächst die Nachfrage nach im Bereich der tiergestützten Therapie, weiß Böhm. Auch als Landschaftspfleger kommt das Alpaka in Frage.

Delfine auf vier Beinen und Alpaka-Betten für Allergiker

Prinzipiell ist das Fell der Tiere von Interesse. „Die Wolle ist sehr hochwertig und allergenfrei. Betten mit Alpakahaar sind zum Beispiel momentan ein großer Renner“ sagt Züchterin Ilona Kindler aus Rothenburg ob der Tauber. „Dennoch lässt sich mangels einer industriellen Wollgewinnung nur im privaten Bereich Gewinn mit dem Fell erzielen.“ Die Pädagogin züchtet seit vier Jahren vornehmlich aus Leidenschaft, wie sie sagt, ihre Herde gehört mit rund 30 Tieren dennoch zu den größeren in Deutschland. Geld verdient sie hauptsächlich mit dem Verkauf von Tieren an andere Züchter oder an Therapieeinrichtungen. Für letztere eignet sich das Alpaka aufgrund seines gutmütigen Wesens und des freundlichen Äußeren besonders.

„Die Wallache lassen sich gut als Therapietiere ausbilden“ erläutert Kindler, „sie sind neugierig, freundlich und sprechen ähnlich wie Delfine den Menschen ganz automatisch über ihr Kindchenschema an.« Grundsätzlich sind Alpakas aber keine Streicheltiere und meiden den Körperkontakt zum Menschen. Um einige Tiere für Besucher dennoch am Halfter führen können, ist drei bis vier Wochen lang täglich eine Viertelstunde Training nötig. Ganz generell ist Geduld eine wertvolle Tugend für jeden Landwirt, der die Alpakazucht als zweites Standbein oder zur Nachnutzung vorhandener Infrastrukturen ins Auge fasst.

Alpaka-Klos auf der Schafweide

Vier Jahre gehören die Alpakas nun zu Ilona Kindlers Leben. Bis sich die Herde mit Anschaffungspreisen von 4000 bis 5000 Euro pro Tier rechnet, gehen schätzungsweise noch ein, zwei Jahre ins Land sagt sie. „Die Anregung für die Zucht hatte ich aus dem Fernsehen, da wusste ich aber noch recht wenig über Alpakas. Rund ein Jahr lang habe ich mich also auf die Tiere vorbereitet, mich eingelesen, Seminare und andere Züchter besucht und das würde ich auch jedem anderen Interessierten empfehlen.“ Denn, so Kindler, die meisten Verluste bei den Tieren geschehen durch Unwissenheit in Form von Unfällen oder Vergiftungen.

Der anfängliche Aufwand lohne sich aber, denn generell seien Alpakas pflegeleichte Tiere. Sie benutzten sogar ihr eigenes „Alpaka-Klo“ – separate und leicht zu reinigende Kotplätze auf der Weide. Für die Nachbeweidung von Rinder-Flächen eignen sie sich dadurch zwar nicht, können aber mit Pferden und Schafen auf eine Weide und sind auf Magerwiesen und hügeligen Weidegegenden gut als Landschaftspfleger einsetzbar.

Für Ilona sind solche Gegenden ein ganz eigenes Einsatzgebiet für die Alpakas: „Eigentlich ist das klassisches Schafland, aber die Beweidung mit Schafen geht immer mehr zurück und viele Weiden verbuschen dadurch. Die Alpakas können hier durchaus eine interessante Alternative darstellen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.