Studie: Bio ist nur gemeinsam mit konventioneller Landwirtschaft nachhaltig

Eine Studie belegt, dass nur die Kombination von ökologischen und konventionellen Anbautechniken eine global nachhaltige Landwirtschaft garantieren kann.

Bio oder konventionell? Agrarökonomen der Universität Göttingen untersuchten den Einfluss des Ökolandbaus auf Umwelt, Klima und Gesundheit in unterschiedlichen Teilen der Welt. Dabei fanden sie heraus, dass der Anbau von Bioprodukten zu viel Ackerfläche benötigt, um sich weltweit positiv auf die Artenvielfalt auswirken zu können. Zudem sei er in ärmeren Ländern zur Ernährungssicherung ungeeignet, schrieben die Forscher in der Fachzeitschrift “Annual Review of Resource Economics”.

Produkteinheit statt Ackerfläche

Studien bescheinigen dem Ökolandbau im Vergleich mit der konventionellen Agrarwirtschaft größere Artenvielfalt und geringere Schadstoffbelastungen. Die Göttinger Wissenschaftler haben den biologischen Landbau nun vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen bewertet. Dabei zeigte sich, dass Lebensmittel vom Bio-Bauernhof im Vergleich mit Produkten von konventionellen Betrieben keinen unterschiedlichen Effekt auf die Gesundheit haben.

Die Autoren Prof. Matin Qaim und Dr. Eva-Marie Meemken sehen auch keine Differenz für Umwelt und Klima, wenn die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche verglichen werden. Für ökologische Lebensmittel benötigt man wegen der niedrigeren Erträge mehr Ackerfläche als für die gleiche Menge konventioneller Produkte. So relativieren sich laut der Wissenschaftler die Umwelt- und Klimavorteile des Ökolandbaus und kehren sich teilweise sogar um. „Die Ertragsunterschiede müssen berücksichtigt werden, weil die globale Nachfrage nach Lebensmitteln weiter wächst“, betont Qaim. “Bisher wird weltweit nur ein Prozent der Ackerfläche nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet. Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre.“

Bio zu teuer für Entwicklungsländer

Desweiteren seien Biolebensmittel, so die Autoren, zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern ungeeignet. Denn sie seien im Schnitt erheblich teurer als konventionelle Produkte. „Für einheimische Grundnahrungsmittel gibt es in Entwicklungsländern aufgrund der niedrigen Einkommen bisher kaum einen Markt für teurere Bioprodukte“, erklärt Meemken.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass der Ökolandbau zwar in bestimmten Situationen vorteilhaft ist, aber nicht als Leitbild für global nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung gelten kann. Ebenso wenig könne die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Chemikalien als Modell für Nachhaltigkeit dienen. „Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme. Solche Systeme standörtlich angepasst zu entwickeln, erfordert die intelligente Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft – auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien“, so Meemken und Qaim.

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