Strategische Genhühner

Kommentar von Michi Jo Standl

Der Fastfoodriese McDonald’s hatte Anfang April bekanntgegeben, dass er auch in Deutschland Fleisch von mit Genfutter gefütterten Hähnchen akzeptiert – eine normale Preispolitik oder eine Auswanderungsstragie der Einkäufer.

Von offizieller Seite kommt nicht viel zum Thema. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) „möchte die Entscheidung von McDonald’s nicht bewerten“, wie Focus Online schreibt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium scheint auch kein Problem damit zu haben und beruhigt: „Wie alle Nahrungsbestandteile würde auch gentechnisch verändertes Futter bereits im Verdauungstrakt der Tiere in kleine Bruchstücke zerlegt. Daher sei es äußert unwahrscheinlich, dass gentechnisch veränderte Futterbestandteile wie DNA oder Proteine, die in den Körper der Tiere übergehen, beim Menschen nach dem Verzehr des Fleisches Allergien auslösen oder Resistenzen übertragen könnten.“

Also alles gut. Doch was bedeutet das für die deutschen Hühnerzüchter? McDonald’s Deutschland wirbt ja immer gerne damit, auf heimische Lieferanten zurückzugreifen. Der Großteil der deutschen Landwirte lehnt ja gentechnisch veränderte Pflanzen ab, auch für Futter. „Unsere Verbraucherinnen und Verbraucher wollen diese Produkte nicht“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Joachim Rukwied auf der Grünen Woche im Januar in Berlin. Dann wird’s wohl so sein.

Von Wiesenhof hat man sich ja „aus hygienischen Gründen“ getrennt. Die wahren Gründe bleiben wohl in der Versenkung der Frittencontainer. Findet man in Deutschland keinen Ersatzlieferanten? Man könnte, wenn man es nicht besser wüsste, vermuten, dass der Fastfoodriese nach der Trennung von Wiesenhof auf der Suche nach neuem Billigfleisch ist und die Situation ausnutzt, möglichst weit weg von Deutschland zu suchen, um ohne Imageschaden billiges Fleisch zu kaufen. Wenn man Rukwied glauben schenken darf, findet man ja in Deutschland keine mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefütterten Hühner. Und Qualität hat eben seinen Preis, den McDonald’s nicht bezahlen will und die junge Fastfood-Zielgruppe nicht bezahlen kann.

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