Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel könnte Ackerbaubetriebe ruinieren

Der Göttinger Agrarökonom Prof. Mußhoff warnt vor einer Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel.

Eine Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel könnte Ackerbaubetriebe in einigen Regionen an den Rand des Ruins treiben und damit das Höfesterben in Deutschland beschleunigen. Für den Umweltschutz bringt diese Steuer zudem nichts, da nicht zu erwarten ist, dass sich der Einsatz mindern würde. Sie würde lediglich die Agrarproduktion in Deutschland verteuern, aber kaum ökonomische Anreize setzen, um die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln einzuschränken. Das ist das vorläufige Fazit von Professor Oliver Mußhoff, der vom Industrieverband Agrar  (IVA) mit der Bewertung einer Studie des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) beauftragt wurde.

Während der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) die UFZ-Studie am Rande der Internationalen Grünen Woche als „Beginn eines Dialogs“ bezeichnete, übte Agrarökonom Mußhof Kritik.

Statistischer Trick in Studie

Mußhoff monierte eine „Vielzahl an inhaltlichen Unzulänglichkeiten“. Dies beginne schon bei der Motivation, die die UFZ-Autoren für die Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel anführen. Angeblich sei der Einsatz an Pflanzenschutzmitteln in den zurückliegenden Jahrzehnten um 36 Prozent angestiegen. Tatsächlich basiere diese Berechnung der UFZ-Autoren auf einem statistischen Trick, nämlich der willkürlichen Wahl des Referenzjahres 1993.

1993 war, statistisch gesehen, ein Ausreißer-Jahr, in dem so wenig Pflanzenschutzmittel abgesetzt wurden wie in keinem anderen Jahr seit 1974. „Nähme man, ebenso willkürlich, als Referenz das Jahr 1987, das ein Ausreißer nach oben war, könnte man behaupten, dass der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in den letzten 30 Jahren um über zehn Prozent gesunken ist. Das wäre der gleiche statistische Trick, nur unter anderen Vorzeichen“, so Mußhoff.

Nur langfristige Werte sind seriös

Da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln von äußeren Faktoren wie Wetter oder Schädlingsvorkommen abhängt, können Trends nur aus dem Vergleich von langfristigen Mittelwerten abgelesen werden. „Außerdem zeigt sich, dass die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten auch hinsichtlich des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes immer produktiver geworden ist. Bezogen auf die Erntemenge wurden nämlich immer weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, rechnet Mußhoff vor und stellt damit die Ausgangsannahme der UFZ-Studie in Frage.

Kein Vergleich zu Dänemark

Für irreführend hält Mußhoff auch die Ertragsvergleiche, mit denen in dem Gutachten argumentiert wurde. Er kritisiert den Vergleich der Leipziger Forscher, dass dänische Landwirte mit weniger Pflanzenschutzmitteln ähnlich hohe Weizenerträge erzielen wie deutsche. Dieser Vergleich, so Mußhoff, leite fehl, da sich die Standortbedingungen in vielen deutschen Regionen stark von denen in Dänemark unterscheiden. Angebracht sei nur ein Vergleich zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein, zumal die dortige Landesregierung Auftraggeber der UFZ-Studie war.

Dabei hätte sich dann nicht nur gezeigt, dass der Weizenertrag in Dänemark zuletzt rund 20 Prozent geringer ausfiel als in Schleswig-Holstein. Es hätte auch darauf hingewiesen werden müssen, dass als Folge der dänischen Agrarwende Weizen dort heute kaum noch Backqualität aufweist und fast ausschließlich in der Tierhaltung verfüttert werde, so der Agrarökonom.

UFZ unterstellt Landwirten verschwenderischen Umgang

Auch die Unterstellung der UFZ-Autoren, dass deutsche Landwirte verschwenderisch mit Pflanzenschutzmittel umgehen würden, moniert Mußhoff. „Allerdings sind Pflanzenschutzmittel auch ohne Sondersteuer schon teure Betriebsmittel. Wenn die Landwirte wirklich die dummen Bauern wären, für die die UFZ-Autoren sie offenbar halten, bleibt unklar, warum sie bei Einführung der Pflanzenschutzmittelsteuer über Nacht zu rational handelnden Agrarmanagern werden sollen.“, so Prof. Mußhoff.

Seine vollständige Studie mit den detaillierten Berechnungen wird Mußhoff im Frühjahr 2017 abschließen und veröffentlichen.

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