So kesselt der Wolf Deutschland ein

In den neuen Bundesländern ist man mit der Zuwanderung der Wölfe schon seit längerer Zeit konfrontiert. Den alten Bundesländern ist das Wildtier regelrecht in den Rücken gefallen, denn man hat stets in die falsche Richtung Ausschau gehalten.

Von Michi Jo Standl

In den 15 Jahren, in denen sich der Wolf nunmehr in den neuen Bundesländern wieder seine Reviere abgesteckt hat, konnte man sich in den Regionen unweit der Grenze zu Polen an die Anwesenheit des Wildtieres halbwegs gewöhnen. „Die Landwirte in Sachsen, Brandenburg und so weiter sind zwar nicht glücklich über die Wölfe, wissen aber, dass sie da sind und wissen vor allem auch, wie die Technik funktioniert, um die Wölfe draußen zu lassen“, erklärt der Wolfsexperte Markus Bathen vom Naturschutzbund (NABU). Schäden durch Wolfsrisse würden laut dem Experten oft überschätzt. „Die durch Wölfe verlorenen Schafe machen unter 0,5 Prozent aus“, so der NABU-Experte. „99 Prozent bleiben im Produktionsprozess“, rechnet der Lausitzer vor. „Wenn ich mir angucke, wie viele Tiere durch Krankheiten verloren gehen, ist der Wert wohl nicht nennenswert. Und den Verlust durch Wölfe bekommen die Landwirte durch spezielle Förderungen ersetzt.“

So nüchtern sieht man das „Problem Wolf“ in den westlichen Bundesländern allerdings nicht. Die starke Medienpräsenz des Wolfes erklärt sich Bathen damit, dass die Zuwanderung als neu gesehen werde und da spiele Emotion eine große Rolle. Die Landwirte etwa in Nordrhein-Westfalen oder auch dem Saarland fühlen sich von offizieller Seite im Stich gelassen. „Wir haben uns den Mund fusselig geredet und schon seit längerer Zeit gewarnt, dass der Wolf irgendwann auch im Westen auftauchen wird.“, zeigt sich Bathen von den Behörden enttäuscht. „Es hieß immer, Polen ist ja so weit weg.“ Dieses Abwinken der Verantwortlichen in den alten Bundesländern führt der Experte auf Unwissenheit zurück. „Die Wölfe, die im Westen eine neue Heimat suchen, kommen nämlich nicht aus Polen sondern aus Frankreich“, so Bathen. „Das nächste französische Wolfsrudel lebt keine hundert Kilometer von der saarländischen Grenze entfernt“.

Da man in den westlichen Bundesländern offenbar noch immer nicht so recht an den Wolf glaubt, gibt es auch noch keine speziellen Etats, um Wolfsrisse auszugleichen. Dass auch keine Förderungen dieser Art geplant sind, bestätigt ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums auf gruuna.com-Anfrage. „Sollte etwas passieren wird das im Rahmen eines allgemeinen Etats ausgeglichen, den es schon länger für Tierrisse, wie etwa durch Hunde oder Füchse, gibt.“, so der Sprecher weiter. „Solche Schäden bewegen sich ja nicht im Millionen-, sondern im Tausenderbereich und das ist da locker drin“, heißt es weiter aus Düsseldorf.

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