Rechnet sich Ziegenmilch?

Nischenmärkte sind im Agrarbereich nicht einfach zu finden. Jahrhundertelange Anbau- und Zuchttraditionen sowie vergleichsweise stabile Nachfragestrukturen lassen wenig Raum für Innovationen.

Manchmal jedoch öffnen unvorhergesehene Konsumententrends den Weg für neue Märkte. Ein Paradebeispiel dafür ist derzeit die größte Ziegenfarm Europas.

Im Rahmen des Mega-Projekts der Molkerei Petri im niedersächsischen Heidbrink entsteht bald die grösste Ziegenfarm Europas. Nicht weniger als 8.000 Ziegen sollen dann die relativ junge Nachfrage nach Ziegenmilch in Deutschland decken.

Ziegen- statt Kuhmilch?

Das reflektiert eine erstaunliche Tendenz im Milchmarkt. Bislang fand Ziegenmilch eigentlich nur in südlichen Ländern wie Griechenland, Italien oder Frankreich hohen Absatz. Der minimale Bedarf der Deutschen wurde durch kleine, regionale Versorger hervorragend gedeckt. Betriebe von meist nicht mehr als 100 Ziegen, die ihre Produkte selbst in ihrer unmittelbaren Umgebung vermarkten, teilten den Markt unter sich auf.

Jetzt aber haben deutsche Konsumenten die Ziegenmlich als echte Alternative zur guten alten Kuhmilch entdeckt. Der Markt boomt. Vor allem Allergiker und Menschen, denen Kuhmilch auf den Magen schlägt, greifen immer häufiger zur Ziegenmlich als besser verträglichem Ersatzprodukt.

Den Hauptteil des neuen Kundenstamms aber bilden gesundheitsbewusste, meist jüngere Menschen. Ziegenmilch hat einen festen Platz im schicken Öko-Bewusstsein dieser jungen Konsumenten. Ziegenmilch ist „in“.

Ziegenmlich ist ertragsstark

Für den Erzeuger kommt der Preis als starkes Argument hinzu. Kuhmilchbauern kämpfen schon seit Ewigkeiten um jeden Cent mehr für ihr Produkt. Trotzdem kommen Sie kaum über 26 Cent/Liter. Kein Vergleich zu Ziegenmilchproduzenten, die locker einen Basispreis von 42 – 50 Cent/Liter einstecken.

Außerdem ist das »Streckengeschäft« http://de.wikipedia.org/wiki/Streckengeschäft«: bei Ziegen sehr lukrativ. Schon jetzt lohnt es sich, Ziegenfleisch in Deutschland zu produzieren und in Griechenland zu verkaufen. Und Ziegenmilch erzielt in Frankreich seit langem stabile Höchstpreise.

Fast doppelt so viel Geld, einen jungen, boomenden Absatzmarkt und lukrative Streckengeschäft. Man könnte meinen, die Umstellung von Kuh auf Ziege sei eine sichere Sache. Vorsicht ist aber geboten. Bevor Sie Ihre Kühe allesamt eintauschen oder eine neue Ziegenfarm starten, sollten Sie sich die Risiken gut überlegen.

Investitions-Risiko Ziegenfarm

Wer, wie die Molkerei Petri, eine wirklich große und damit margen-freundliche Ziegenfarm aufziehen will, muss mit Widerstand rechnen. Die Anwohner beklagen sich über den Gestank von Vieh und Lärm von Milchlastern. Gleich mehrere Naturschutzverbände laufen Sturm gegen Petris Projekt. Ist die Ziege der industriellen Haltung doch bisher entkommen.

Außerdem ist der Absatzmarkt vielleicht nicht ganz so sicher, wie es auf den ersten Blick aussieht. Ziegenmilch ist ein Trend und kann als solcher auch schnell zuende sein. Sollte sich der derzeitige Boom als kurzlebige Modeerscheinung herausstellen, steht der frischgebackene Ziegenhalter im Regen.

Nicht zuletzt steht ein großes Fragezeichen hinter den hohen Anfangsinvestitionen. Da Ziegenhaltung im großen Stil noch eher selten ist, sind die Innitiierungskosten relativ hoch – nicht nur Maschinen, auch das Know How ist teurer als bei der Kuhhaltung.

Pro Ziege und Tierplatz muss man mit 430 Euro rechnen. Man braucht acht bis neun Ziegen, um den Literertrag einer Kuh zu erreichen. Das kostet um die 3.500 Euro. Eine Kuh dagegen kostet nur um die 3.000 Euro Gesamtinvestition.

Rechnet sich das wirklich?

Was glauben Sie? Denken Sie, dass sich eine Umstellung für Sie lohnen würde? Was sind Ihre Gründe pro oder contra Ziegenmilch?

Wir freuen uns auf Ihr feedback.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.