Projekt: Dünger aus Abwasser und Bioabfällen gewinnen

Ein interdisziplinäres Projekt soll den Kreislauf zwischen städtischen Konsumenten und Landwirten schließen: Stoffe aus Produkten kehren als Dünger auf die Äcker zurück.

Im Rahmen des Projektes RUN (Rural Urban Nutrient Partnership) mit Beteiligung der Universitäten Hohenheim und Stuttgart wollen Wissenschaftler Nährstoffpartnerschaften zwischen Stadt und Land etablieren und Stoff-Kreisläufe durch moderne Verwertungsverfahren schließen. Ziel ist, aus städtischem Abwasser und Bioabfällen Dünger zu gewinnen. Der landwirtschaftliche Kreislauf soll so geschlossen werden. Rund 75 Prozent der deutschen Bevölkerung leben in Städten und verbrauchen dort Lebensmittel, die auf dem Land erzeugt wurden. Auf diese Weise sind Produktionsketten entstanden, bei denen Nähr- und Wertstoffe von einem Ort zum anderen transportiert werden und schließlich zum größten Teil verloren gehen.

Strukturen und Konsumverhalten verändern

Das Vorhaben braucht neue technische, städtebauliche und logistische Strukturen. Diese sollen bei der Trennung, Aufbereitung, Umwandlung sowie der Rückführung der Nährstoffe in den Kreislauf Hand in Hand gehen. Aber auch ein verändertes Konsumverhalten der Gesellschaft ist laut Wissenschaftlern notwendig.

Nährstoffe aus Abfällen und Abwasser

Kernidee ist, aus Bioabfällen und häuslichem Abwasser die darin enthaltenen Nährstoffe zu gewinnen, um aus ihnen Düngemittel oder auch recycelbare Bioplastikfolie und Pflanzenkohle herzustellen. Also Produkte, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden können, um wiederum zum Beispiel Obst und Gemüse anzubauen. Produkte, die auf dem Land produziert und in den Städten verkauft worden waren, kehren so quasi in die Landwirtschaft zurück.

Am Anfang des Projektes stehen Labortests

Zunächst müssen die notwendigen Techniken entwickelt werden. Dazu werden in Laborversuchen verschiedene Methoden der Rückgewinnung und Aufbereitung von Bioabfällen und häuslichem Abwasser getestet. Heraus kommen so genannte Design-Dünger und Pflanzenkohle, die anschließend untersucht werden: „Als Dünger entstehen vor allem Struvite, die in erster Linie Phosphat, Magnesium und Ammonium enthalten, die dem Klärschlamm entzogen wurden“, erklärt Dr. Sabine Zikeli vom Zentrum Ökologischer Landbau Universität Hohenheim. „Die Reste des Klärschlamms werden durch Verkohlung zu Pflanzenkohle. Diese ist sehr porös und kann in ihren Hohlräumen Wasser und Nährstoffe speichern, die sie dann bei Bedarf an die Pflanzen abgibt“, so Zikeli weiter.

Foto: Aviavlad/pixabay.com (Symbolbild)

Im Video erklärt die Uni Hohenheim das Projekt

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