Photovoltaik: Landwirtschaftliche Flächen doppelt nutzen

In einem Projekt wird eine Photovoltaik-Anlage getestet, welche die Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen zulässt: Energiegewinnung und Bewirtschaftung.

Bislang müssen sich Landwirte entscheiden, ob sie Flächen bewirtschaften oder für die Erzeugung erneuerbarer Energien nutzen. Das Verbundprojekt “Agrophotovoltaik – Ressourceneffiziente Landnutzung” (APV-RESOLA) erprobt die doppelte Nutzung, die sogar den Pflanzenertrag fördern soll. Bis zu fünf Meter hohe Solarmodule könnten das möglich machen – quasi Wirtschaftlichkeit auf zwei Etagen. Oben wird mit Photovoltaik Solarenergie produziert, unten zum Beispiel Gemüse angebaut. Getestet wird das vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) geleitete Projekt auf einer 0,3 Hektar großen Ackerfläche am Bodensee.

Photovoltaik nutzen und Pflanzen schützen

Im ersten Projektjahr 2017 konnte das Projektkonsortium bereits eine Steigerung der Landnutzungsrate auf 160 Prozent nachweisen. Im Hitzesommer 2018 wurde dieses Ergebnis noch deutlich übertroffen: Die Solarmodule schützen die Pflanzen vor Hitze. Die Teilverschattung unter den Solarmodulen steigerte die landwirtschaftlichen Ernteerträge, die hohe Sonneneinstrahlung die Solarstromproduktion. So lag die Landnutzungseffizienz bei 186 Prozent. Die Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach, auf deren Acker die Anlage steht, konnte 2018 bei Winterweizen, Kartoffeln, Kleegras und Sellerie eine Ertragssteigerung um bis zu 12 Prozent verzeichnen.

Synergieeffekt für Landwirte

Durch die doppelte Nutzung der Fläche fällt die Fragestellung “Tank oder Teller?” weg. Die Forscher stellen mit dem Testprojekt beides in Aussicht. Wird der Solarstrom direkt vor Ort gespeichert und genutzt, wie bei der Hofgemeinschaft Heggelbach, ergeben sich durch Synergieeffekte zusätzliche Einkommensquellen. Die Nutzung von Elektrofahrzeugen zieht auch in die Landwirtschaft ein. “Wenn es die Politik zulässt, kann die Agrophotovoltaik die Antwort auf die Tank-oder-Teller-Diskussion sein”, sagt Projektleiter Stephan Schindele. “Denn technisch betrachtet können Landwirte beides: durch die Doppelnutzung der Ackerflächen ihrer Kernaufgabe der Nahrungsmittelproduktion gerecht werden und zusätzlich durch die Bereitstellung von Solarstrom einen Beitrag zum Ausbau der Elektromobilität und zum Klimaschutz leisten”, ergänzt Schindele.

Ein Gedanke zu „Photovoltaik: Landwirtschaftliche Flächen doppelt nutzen

  • 19.05.19 um 15:18
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    Super Sache, die Fläche durch die Photovoltaik Anlagen doppelt zu nutzen. Ich sehe da insgesamt sehr viel Potenzial, von dem erst ein Bruchteil ausgeschöpft wird.

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