Pflanzenschutzmittel: Wie ungenau ist die Statistik des Umweltbundesamtes?

Der Industrieverband Agrar sieht in der Statistik zum Pflanzenschutzmittel-Absatz des Umweltbundesamtes eine gängige, aber umstrittene Manipulationsmethode.

Chemische Unkrautvernichter, wie das in Roundup enthaltene Glyphosat, sind umstritten. Obwohl die EU die Zulassung um weitere fünf Jahre genehmigt hat, wünschen sich Umweltverbände, dass der Wirkstoff nicht mehr erhältlich ist. Das Umweltbundesamt (UBA) hat in seiner aktuellen Broschüre “Umwelt und Landwirtschaft” erneut Zahlen zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln veröffentlicht. Der Industrieverband Agrar (IVA) kritisiert die UBA-Studie, aus der hervorgeht, dass der Absatz von Pflanzenschutzmittel gestiegen sei.

Aktuelle Zahlen über den Absatz von Pflanzenschutzmittel fehlen

Laut UBA stieg der Absatz von Pflanzenschutzmittel im Zeitraum von 1994 bis 2015 von 30.000 auf 40.000 Tonnen an. Aktuelle Zahlen fehlen in der Erhebung. Der springende Punkt ist laut IVA die Wahl des Jahres 1994 als Referenzjahr. Denn 1994 war das Jahr mit dem historisch niedrigsten Absatz an Pflanzenschutzmittel. Der Industrieverband Agrar nennt die Gründe: Zum einen griffen 1994 viele Flächenstilllegungen, zum anderen liefen damals Aufbrauchfristen für DDR-Altprodukte aus. Vergangenes Jahr schon „prämierte“ das Essener RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung diese Manipulation – wie es er IVA nennt – als „Unstatistik des Monats“.

Kohlendioxid eingerechnet

Nicht weniger fragwürdig sei die Einrechnung der sogenannten inerten, also reaktionsträgen, Gase, so der IVA. Diese müssen dem zuständigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet werden. Es handelt sich aber nicht um Mittel, die der Landwirt einsetzt, sondern in aller Regel um Kohlendioxid, mit dem Vorräte vor Schädlingen geschützt werden. Der Einsatz von Kohlendioxid ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, da kaum noch andere Wirkstoffe zum Vorratsschutz zur Verfügung stehen. Die inerten Gase werden vom BVL daher gesondert ausgewiesen.

“Statistischer Kunstgriff”

Der IVA sieht in der Darstellung des UBA einen typischen, aber umstrittenen “statistischen Kunstgriff”. Der Verband beruft sich dabei auf das Buch “So lügt man mit Statistik”, in dem der Statistik-Professor Walter Krämer schon vor 30 Jahren die Kniffe erklärt hat. Ein Referenzjahr wird bewusst herausgegriffen, um den gewünschten Trend zu generieren.

IVA empfiehlt Zahlen des BVL

Der Industrieverband Agrar empfiehlt, sich über die Absatzstatistik für Pflanzenschutzmittel direkt auf der Internetseite des zuständigen BVL zu informieren. Dort findet man nicht nur die aktuelleren Zahlen, sondern alle Daten und entsprechende Erläuterungen. Laut BVL ist der Absatz nämlich 2016 weiter gesunken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.