Passen Artenschutz und Produktivität zusammen?

Während die TU München eine umfangreiche Studie zur Biodiversität veröffentlicht hat, hat der IVA eine Broschüre mit praxisnahen Artenschutz-Maßnahmen publiziert. 

Eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der TU München bestätigt einen dramatischen Rückgang von Insektenbeständen in den vergangenen Jahrzehnten. Doch wie kann man gegensteuern? Welche Maßnahmen sind besonders wirksam und wie wirken sie zusammen? Der Industrieverband Agrar (IVA) hat eine Broschüre herausgegeben, die sich mit dem Thema Artenschutz befasst. Die Erkenntnisse beruhen auf Erfahrungen von verschiedenen Demobetrieben und Versuchsstandorten. 

Landwirte können aktiv den Artenschutz unterstützen

Die Publikation richtet sich sowohl an Landwirte als auch an die Agrarpolitik sowie Umwelt- und Naturschützer. Ein wichtiges Fazit der Feldstudien: Auch in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft gibt es geeignete Maßnahmen, um die Biodiversität zu erhöhen. Dazu braucht es angepasste Nahrungs- und Nisthabitate, lange erprobte Maßnahmen wie Lerchenfenster oder auf Teilflächen einen größeren Abstand bei Saatreihen im Getreide. Vor allem aber müssen die Maßnahmen intelligent geplant und gemanagt werden, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Wissenschaftler: Einzelinitiativen nicht sinnvoll

Laut der Studie der Münchner Wissenschaftler gibt es heute auf vielen Flächen etwa ein Drittel weniger Insektenarten als noch vor einem Jahrzehnt. Vom Artenschwund betroffen sind laut der Forscher vor allem Wiesen, die sich in einer stark landwirtschaftlich genutzten Umgebung befinden, aber auch Wald- und Schutzgebiete. Bisherige Studien haben sich ausschließlich auf die Biomasse, also das Gesamtgewicht aller Insekten, oder einzelne Artengruppen konzentriert. Die TUM hingegen hat zwischen 2007 und 2018 eine 

Vielzahl von Insektengruppen in Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg erfasst. „Aktuelle Initiativen gegen den Insektenrückgang kümmern sich viel zu sehr um die Bewirtschaftung einzelner Flächen und agieren weitestgehend unabhängig voneinander“, sagt Dr. Sebastian Seibold von der TU München. „Um den Rückgang aufzuhalten, benötigen wir ausgehend von unseren Ergebnissen eine stärkere Abstimmung und Koordination auf regionaler und nationaler Ebene.“

Hier kann die Publikation des IVA kostenlos bestellt oder als PDF geladen werden.

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