Nebenerwerb: Wenn der Beruf zum „Ehrenamt“ wird

Die nebenerwerbliche Bewirtschaftung ist ein Teufelskreis, der von der Agrarkrise gezogen wird. Lösungen müssen her.

Immer mehr Landwirte sind darauf angewiesen, neben der Führung des Betriebes einer zweiten Tätigkeit nachzugehen. In Niedersachsen etwa arbeiten von den 39.000 Landwirten inzwischen etwa 13.000 im Nebenerwerb. Das ist ein Drittel aller Betriebe. Bundesweit gehen nach der Agrarstrukturerhebung 2013 sogar die Hälfte aller 285.000 Landwirte einem zweiten Beruf nach. In manchen Betrieben werde aber schon seit einigen Generationen im Nebenerwerb gearbeitet, wie ein Sprecher des Landvolk Pressedienstes erklärt. Da hängt viel Herzblut dran. Dass zumindest mit den derzeitigen Erzeugerpreisen nichts zu verdienen ist, ist jedem klar. Viele zahlen sogar drauf.

„Die Kinder fühlen sich dem Hof und dem Eigentum verpflichtet, dahinter steht auch ein lange gewachsenes und konservatives Denken. Vor allem außerhalb der Ballungsgebiete ist der Nebenerwerb fester Bestandteil der Landwirtschaft, weil der Ausstieg nahe der großen Arbeitgeber doch leichter fällt als in den strukturschwächeren Regionen“, erläutert Karl Wiedemeier. Der Landwirt aus Osterode ist Vorsitzender des Landvolk-Ausschusses für Nebenerwerbslandwirtschaft. Er hat sein gesamtes Berufsleben den Spagat zwischen selbstständigem Landwirt und Angestelltem gemeistert.

Die Erhaltung des Betriebes ist in vielen Fällen nicht mehr, als ein teures „Hobby“. Denn wenn man einer zweiten Tätigkeit nachgeht, braucht man wiederum Lohnunternehmen. Möchte man den Betrieb erhalten, werden die Flächen ja nicht kleiner. Aber irgendwie habe das immer geklappt, so Wiedemeier. Auch muss investiert werden, denn Betrieb ist Betrieb, ob haupt- oder nebenberuflich. Um dieses Ungleichgewicht zu beenden, ist es erforderlich, dass sich Politiker und alle Marktbeteiligten endlich von den Besprechungstischen erheben und ordentliche Lösungen präsentieren. Ansonsten wird sich die Landwirtschaft in Deutschland bald auf ein Minimum reduzieren und die ländlichen Strukturen auseinanderbrechen.

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