Monsanto: Bayer will auf Verbraucher und Landwirte zugehen

Nach der EU-Genehmigung für den Monsanto-Bayer-Deal sieht der NABU eine Ignoranz der Verbraucher gegenüber, Grünen-Chef Habeck debattiert mit Bayer-Manager Condon.

Nach der Genehmigung der EU-Kommission für die 60 Milliarden-Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch Bayer schlagen die Wellen hoch. Im Mittelpunkt der Debatten stehen sowohl der Pestizidwirkstoff Glyphosat als auch die Gentechnik-Sparte des Unternehmens. Die Kommission hat den Deal aber nur unter strengen Auflagen genehmigt. So will Bayer große Teile des Saatgutgeschäfts an BASF verkaufen. Dennoch würde Bayer zum größten Agrarkonzern der Welt aufsteigen.

NABU sieht in Monsanto-Übernahme “Zementierung der industriellen Landwirtschaft”

„Die EU-Kommission sendet das falsche Signal aus Brüssel für die dringend notwendige weltweite Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen”, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke in einer Pressemitteilung. Das derzeitige EU-Fusionsrecht sei ganz offensichtlich nicht mehr zeitgemäß und ignoriere die Forderungen der Bürgerinnen und Bürger nach mehr demokratischer Kontrolle und Transparenz von Entscheidungen. In der Übernahme sieht Tschimpke die “weltweite Zementierung der industriellen Landwirtschaft für schädliche Folgen für Mensch und Tier.” Die Artenvielfalt bleibe auf der Strecke. “Die Entscheidung steht im Gegensatz zu den Forderungen von Umweltschützern und Verbrauchern auf der ganzen Welt, die sich eine umweltverträglichere, gift- und gentechnikfreie Landwirtschaft wünschen”, so der NABU-Präsident.

Grünen-Vorsitzender Habeck im Streitgespräch mit Bayer-Agrarchef

Einen anderen Weg der Debatte wählte der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck. Er ließ sich in ein vom Wirtschaftsmagazin “Capital” für die aktuelle Ausgabe initiierten Streitgespräch mit Bayer-Agrarchef Liam Condon ein. Dieser räumte Fehler in der Kommunikation und Außendarstellung seines Konzerns ein: „Die größte Erkenntnis für mich ist, dass wir als Bayer und als Industrie insgesamt viel mehr erklären müssen, was wir tun, warum wir das tun.” Er gestand ein, dass Bayer lange auf die Landwirte fixiert war und den Verbrauchern zu wenig erklärt habe. “Wir müssen mehr den Dialog suchen, ansonsten werden wir das Vertrauen der Menschen nicht gewinnen“, sagte Condon.

Desweiteren kündigte der Manager an, künftig stärker auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln durch Landwirte zu achten. „Wir versuchen, durch Schulung und Beratung die sachgerechte Anwendung unserer Produkte sicherzustellen und werden das auch in Zukunft verstärkt tun”, so Condon. Trotz der Eingeständnisse blieb Habeck in dem Gespräch bei seiner grundsätzlichen Ablehnung der Fusion: „Ich höre aus der Industrie das ‚Wir haben verstanden, wir müssen etwas ändern‘. Das freut mich. Nur passt dazu nicht die Übernahme von Monsanto“, so der Politiker.

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