Mode aus Milch: „Es gibt Veganer, die finden unsere Idee gut“

Die Unternehmerin Anke Domaske über Veganer, den Milchüberschuss und weggeworfene Milch.

Unter anderem ein längerer Aufenthalt auf einer Rinderfarm in den USA und die Suche nach chemiefreier Bekleidung für Ihren erkrankten Stiefvater hat die Hannoveranerin Anke Domaske dazu inspiriert, aus Milch Stoffe herzustellen. Seit fünf Jahren leitet sie das Unternehmen Qmilch Deutschland. Verwendet wird nur Non-Food-Milch, die mit 4 Cent pro Liter vergütet wird. gruuna.com hat mit der studierten Biologin, die vor ihrer Innovation schon ein Modelabel hatte, über ihre Idee und die Umsetzung von der Marke QMilk gesprochen.

Wie entstand die Idee, aus Milch Textilien herzustellen?
Die Idee selber ist nicht neu. Bereits in den 1930 Jahren hat man aus Milch Fasern hergestellt. Das war aber sehr zeitaufwändig und funktionierte nur unter der Verwendung von viel Chemie. Wir hatten den Anspruch an uns, den Prozess zu überdenken und so natürlich umzusetzen, dass man die Fasern quasi Essen kann.

Wie funktioniert der Produktionsprozess?
Wenn Milch sauer wird, trennt sich die Molke vom Eiweiß. Die entstandenen Flocken, also den Quark schöpft man ab und lässt sie zu Eiweißpulver trocknen. Das knetet man dann mit Wasser zu Teig. Die Fäden werden durch Düsen gespritzt und aufgewickelt. Ich vergleiche das immer mit einer Nudelmaschine.

Woher kommt die Milch?
Aus Deutschland. Wir dürfen nur Non-Food-Milch verwenden, also zum Beispiel keimbelastete Milch oder welche mit zu vielen somatischen Zellen. Diese kommt von Molkereien und Landwirten. Angedacht ist auch ein System, mit dem wir abgelaufene Milchprodukte von Supermarktketten einsammeln. Verwenden kann man ja auch zum Beispiel Joghurt.

Ist es auch denkbar, Milch aus dem Milchüberschuss zu verwenden?
Die gesetzliche Lage ist so, dass wir wirklich nur Non-Food-Milch verarbeiten dürfen. Theoretisch wäre es möglich. Ich denke, die Verbraucher würden es aber nicht akzeptieren, dass wir quasi ein Lebensmittel verarbeiten. Und eine Kostenfrage ist es natürlich auch. In Deutschland müssen jährlich 200 Millionen Liter Milch entsorgt werden, weil sie nicht zum Verzehr geeignet ist. Wenn wir den Punkt erreicht haben, dass wir diese Menge verarbeiten können, kann man sich Gedanken darüber machen, Trinkmilch aus dem Überschuss zu verwenden. Unser Nachhaltigkeitsgedanke zielt eben auf die Verwendung von nicht brauchbarer Milch ab.

Apropos Nachhaltigkeit: Ich nehme an, Veganer distanzieren sich von Kleidung aus Milchfasern.
Veganer ziehen das nicht an. Obwohl, es kommt immer auf den Veganer an. Es gibt auch welche, die es gut finden, was wir machen.

Sie produzieren aus den Stoffen auch direkt Bekleidung. Wer entwirft und näht die Mode?
Derzeit entwerfe ich sie noch selbst unter meinem Label. Die Modelle werden bei uns im Haus genäht, die Massenproduktion übernehmen Partnerfirmen.

Interview: Michi Jo Standl

Weitere Informationen:
Website von Qmilk
Beitrag über Qmilk im ARTE Futuremag

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