Mobbing von Bauernkindern nur ein Medienthema?

Medien thematisieren Mobbing von Bauernkindern, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht keinen Anlass zu dieser spezifischen Debatte.

„Jeder Fall von Mobbing ist einer zu viel. Dass es Kinder von Landwirten trifft, liegt vor allem am schlechten Image der Branche“. Diese habe es verpasst, die neuen Produktionsbedingungen der Bevölkerung zu vermitteln, fasst der Weser-Kurier einen Artikel der Journalistin Silke Looden zusammen. Verbraucher fühlten sich irregeführt, wenn sie in der Werbung glückliche Kühe auf saftigen Weiden sehen. Zum schlechten Image würden aber auch immer neue Skandale über die schlechte Behandlung von Nutztieren beitragen.

Als Basis für den Artikel diente eine Umfrage von agrarheute zu Mobbing von Kindern mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Der Aussage „Ja, ich wurde selbst als Kind Opfer von Mobbing“ stimmten 41 Prozent der 811 befragten LandwirtInnen zu. Als die befragten Erwachsenen im Schulalter waren, war die Diskussion um die Landwirtschaft allerdings noch nicht so intensiv wie heute. „Ja, ich kenne Mobbing-Fälle außerhalb meiner Familie“ stimmten 41 Prozent zu und „Ja, mein Kind/Kinder werden/wurden gemobbt“ nur 17 Prozent.

AbL hält diese Mobbing-Debatte für übertrieben

Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht das Thema allerdings differenzierter. Die AbL wende sich entschieden gegen jedes Mobbing von Schulkindern, deshalb natürlich auch gegen das Mobbing von Bauernkindern – egal ob es sich um „allgemeines Mobbing“ oder um Mobbing mit dafür genutzten Agrarthemen handelt, so der Verein. Die AbL appelliert aber ebenso an Medien und Politik, das tatsächliche oder behauptete Mobbing von Bauernkindern nicht für agrarpolitische Zwecke zu instrumentalisieren.

Die AbL befürchtet, dass die Debatte um das Mobbing speziell von Bauernkindern einem wirksamen, gemeinsamen Vorgehen an den Schulen gegen jegliches Mobbing schadet. Die Arbeitsgemeinschaft fordert eine breitere „Null-Toleranz-Praxis“ gegen Mobbing – von Schulleitungen, Lehrern, Eltern und Kids. „Weil Mobbing oft eine unerträgliche Qual für Kinder schafft, ist selbstverständlich jeder Fall von Mobbing einer zu viel – egal welcher Themen sich dieses allgemeine Mobbing-Problem auch bedient“, so AbL-Vertreter Eckehard Niemann. Für dieses themenübergreifende Angehen gegen Mobbing spreche auch, dass sich die Prozentzahlen gemobbter Kinder zwischen Bauernkindern und anderen Kindern offenbar kaum unterschieden.

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