Kükentöten: Medien drehen Schmidt Wort im Mund um

So hat das der Bundeslandwirtschaftsminister nicht gesagt. PETA fordert gar den Rücktritt.

„Agrarminister Schmidt verteidigt Küken-Schreddern“ titelte die Welt auf Ihrer Internetseite welt.de. Auch andere Medien berichteten fast im Einklang, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt das Töten von Küken akzeptieren würde. Auch PETA jagte eine entsprechende Pressemitteilung ins Netz, in der ihm sogar der Rücktritt nahgelegt wird.

Die Internetseite netzfrauen.org mutmaßte, dass der Minister Konzerne schützen würde, weil er für „Massentötung männlicher Küken“ und auch Glyphosat sei. Ein User schrieb in einem Kommentar zu dem Artikel auf netzfrauen.org: „In Sachen ,Töten männlicher Küken unumgänglich …’ könnten dem Minister vielleicht bald die Argumente ausgehen – Deutsche Forscher sind offenbar schon ziemlich weit, die Schredder bald auszubremsen“. Welch’ eine Neuigkeit. Genau diese Forschungsarbeiten werden ja vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt.

Es sind sich ohnehin alle einig
Das zeigt, wie Medien im Sinne von vielfach hysterischen Verbrauchern spielen. Ein kleiner Titel löst deutschlandweit Empörung aus. Denn dass Schmidt dies so nicht gesagt hat, wissen auch die Medien. Im Laufe der Berichterstattungen wurde ja der Wortlaut Schmidts wiedergegeben. „Bei einem Verbot würden die Brütereien in Deutschland schließen und ins Ausland abwandern. Dort würden Küken aber ebenfalls geschreddert.“, zitiert die „Welt“ den Bundesminister. Und um das geht es ja. Man ist noch auf der Suche nach Lösungen. Und wenn nachhaltig etwas geändert werden soll, dann braucht das Zeit. Hysterie bringt nichts.

Nach den Medienberichten stellte ein BMEL-Sprecher in einer Pressemitteilung klar: „Die Bundesregierung stimmt mit dem Bundesrat darin überein, die Praxis des routinemäßigen Tötens von männlichen Eintagsküken zu beenden.“ Das ist aber kein Statement zur Schadensbegrenzung. Bereits seit einigen Jahren wird das Ziel intensiv verfolgt. Die Forschung zur Beendigung des Kükentötens sei ein zentraler Bestandteil der Tierwohl-Initiative „Eine Frage der Haltung“, so der Sprecher weiter. Die Bundesregierung fördere seit 2008 mit über 2 Millionen Euro Forschungsprojekte der „In-Ovo-Geschlechtsbestimmung beim Haushuhn“, heißt es in der Mitteilung.

Publikumsmedien sollten neutral berichten, ohne Effekthascherei. Denn Leser zeigen immer mehr Mangelerscheinungen, was Medienkompetenz betrifft. Und bevor Nutzer Kommentare abgeben, sollten sich diese lieber mal mit der Materie vertraut machen – und immer den ganzen Artikel lesen, nicht nur den Titel. Wieder einmal ein Aufschrei für Nichts.

Michi Jo Standl

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