Kommt Hendricks aus der Bauernregel-Sache noch raus?

Trotz Abbruch der Kampagne bleiben ein ziemlich nachhaltiger Beigeschmack, die Beleidigung der Landwirte und 1,6 Millionen Euro in den Sand gesetzte Steuergelder. 

„Es ist inakzeptabel, wenn Bundesministerien ganze Berufsgruppen pauschal diffamieren oder ausgrenzen“, kommentierte der DBV-Verbandsrat um Präsident Joachim Rukwied diese Woche die Bauernregel-Kampagne des Bundesumweltministeriums knapp. Damit sollte alles gesagt sein. Denn es ist nicht eine Werbekampagne für etwas, in diesem Fall für die Umwelt oder das Ministerium, sondern gegen etwas. Ja, das gibt es auch. Eine Kampagne gegen die Landwirtschaft. Das ist wirklich nicht die Aufgabe eines Ministeriums.

Bund der Steuerzahler: „Disput nicht auf steuergeldfinanzierter Kampagne austragen“

Mit 1,6 Millionen Euro Steuergeld hat die deutsche Bevölkerung die Diffamierung der Berufsgruppe, die sie ernährt, bezahlt. Kreiert hat die Anti-Werbekampagne die Berliner Agentur Tinkerbelle, die auch schon in der Vergangenheit mit hohen Etats für das Bundesumweltministerium gearbeitet hat.

Selbst der Bund der Steuerzahler (BdSt), der mit der landwirtschaftlichen Debatte nichts zu tun hat, hat sich neutral zu Wort gemeldet. „Wenn zwei Bundesministerien grundsätzliche Auffassungsunterschiede zur Agrarpolitik haben, darf ein solcher Disput nicht mit einer millionenschweren steuergeldfinanzierten Werbekampagne ausgetragen werden.“, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ den Verein. Vielmehr sei ein Austausch der beiden Ressorts gefragt. Dieser Austausch war, gerade nach der diesjährigen Internationalen Grünen Woche, auf einem guten Weg – und hat mit der Veröffentlichung der Kampagne einen Rückschritt um Jahre erfahren.

Hendricks und Hofreiter gegen den Rest

Kritik kam aus allen politischen Lagern. Von klaren Worten von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) – „Die Sprüche sind eine Beleidigung“ – bis zu Sprachlosigkeit in Bundesumweltministerin Barbara Hendricks’ eigenen Reihen. Der hessische SPD-Politiker Swen Bastian: „Bauernregel-Kampagne ist ein instinktloser Missgriff“. Sogar innerhalb der Grünen herrscht Irritation. Deren agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff sieht in der Kampagne Wahlkampftaktik, die nichts mit der Arbeit eines Ministeriums zu tun habe. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) forderte den Rücktritt der Bundesumweltministerin. Nur der Grünen-Vorsitzender Anton Hofreiter verteidigt Hendricks. „Es ist ein absurdes Theater, das vor allem von Union und Bauernverband gespielt wird.“, sagte er zur „Rheinischen Post“.

Nach wie vor kein Dialog mit den Landwirten

Inzwischen hat sich Barbara Hendricks in einem an die Landwirte gerichteten Video „entschuldigt“ und die Kampagne abgebrochen. Die Plakate werden nicht wie geplant in den 70 Städten angebracht. Im Video beteuert sie, dass sie um die Situation der Landwirte wisse und man reden müsse. Mit wem? In einer aktuellen Erklärung sagte Hendricks, man suche den Dialog mit der Bevölkerung. Sie wolle mit ihr über die Landwirtschaft sprechen. Also nach wie vor nur „über die Landwirtschaft“ und nicht mit den Landwirten. Mit dieser unverständlichen Linie einer Bundesumweltministerin ist ein Dialog nicht möglich. Um bei „klugen“ Sprüchen zu bleiben: Was einmal gesagt wurde, kann nicht zurückgenommen werden. Da kommt Barbara Hendricks nicht wieder raus. Es sei denn, sie ändert sofort ihren Kurs und arbeitet mit den Landwirten zusammen. Sie arbeiten auf hohem Niveau und aktiv für den Umweltschutz – und ernähren die, mit deren Steuergeld Hendricks ihren Kampf gegen die Landwirte führt. Die Bemühungen der Agrarbranche zeigt alleine schon die Tatsache, dass die Emission an Treibhausgasen in der Landwirtschaft seit 1990 um 15 Prozent gesenkt werden konnten. Die Verkehrsemissionen hingegen sind laut Umweltbundesamt von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Auch im Bereich Tierwohl wird aktiv gearbeitet.

Michi Jo Standl

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks „entschuldigt“ sich im Video:

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