Können sich Verbraucher Tierwohl überhaupt leisten?

Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) zieht ein Fazit der Tierwohltagung in Göttingen.

Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Tierwohltagung vergangene Woche an der Uni Göttingen kam die Frage auf, ob sich Verbraucher Tierwohl überhaupt leisten können oder wollen. Der stellvertretende ISN-Vorsitzende Philipp Schulze-Esking sieht bei der Initiative Tierwohl zu wenig „Initiative“ von Beteiligten außerhalb der Landwirtschaft: „Wir sind als Landwirte offen für Veränderungen und wollen mitgestalten und tun dies auch schon an vielen Stellen. Doch stelle ich immer wieder fest, dass wir wohl auch die einzigen sind, die immer wieder auf das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Gesellschaft hinweisen müssen.”

Auch Tierschützerin Stefanie Pöpken vom Verein Provieh sieht viel Nachholbedarf in der Kommunikation. Man müsse den Verbrauchern die Tierhaltung mehr erklären, aber auch dann sei es noch schwer, sie von höheren Preisen zu überzeugen, so die Tierschützerin.

Der Einzelhandel als letzte Verbindung zu den Konsumenten sieht ein Problem, die höheren Produktionskosten für mehr Tierwohl direkt auf die Kunden umzulegen. REWE hat sich als ITW-Gründungsmitglied Tierwohl auf die Fahnen geschrieben und verzichtet auf Fleisch von Tieren, die nicht-kuritativ behandelt wurden, wie etwa von kastrierten Ferkeln. „Wir sind Teil des Problems, also müssen wir auch Teil der Lösung sein.”, sagte REWE-Bereichsleiter Dr. Ludger Breloh. Um mehr Tierwohl in die Ställe zu bringen, könne man sich als Unternehmen über vertikale Integration Gedanken machen oder sektorübergreifend handeln. Doch wer bezahlt? „Die immerwährende Forderung an den Lebensmitteleinzelhandel dahingehend den Topf aufzustocken, kann nicht die Lösung sein”, sieht auch Landwirt Breloh ein.

Dr. Anke Zühlsdorf von der Agrifood Consulting brachte es zum Abschluss der Diskussion auf den Punkt. „Die Verbraucher wollen mehr Tierwohl, als sie sich leisten können.“, so die Unternehmensberaterin.

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