Klimaforscher: Freier Handel senkt landwirtschaftliche Verluste

Der Klimawandel bringt ein Risiko für die landwirtschaftliche Produktivität mit sich. Abhilfe könnte offenbar eine freiere Handelspolitk schaffen.

Sinkende Produktivität durch die Veränderung des Klimas würde global die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben. Wie Forscher des Potsdam-Insituts für Klimafolgenforschung (PIK) im renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“ schreiben, würden die zusätzlichen Kosten der Konsumenten die Gewinne der Produzenten übersteigen. Somit sei bis zum Ende des Jahrhunderts mit steigenden Nettoverlusten im Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsektor zu rechnen. Bei weiterhin eingeschränkter Handelspolitik befürchten die Forscher einen Anstieg von 0,8 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, was 2,5 Billionen US-Dollar bedeuten würde.

Freihandelsabkommen würden Preisanstiege stabilisieren

„Die Landwirtschaft ist sehr anfällig für Klimaveränderungen – schon ein kleiner Anstieg der globalen Mitteltemperatur kann Konsequenzen haben für regionale Ernten, was sich wiederum auf die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion und den Anteil des Einkommens auswirkt, der für Nahrungsmittel ausgegeben wird“, sagt Leitautor Miodrag Stevanović. Der freie Handel wird mit hoher Klimabelastung durch weite Wege und höheren Energieverbrauch verbunden. Aber was ökonomische Schäden betrifft, sieht Stevanović Chancen in freier Handelspolitik. Dies könnte der Studie zufolge die finanziellen Schäden global um 65 Prozent auf 0,3 Prozent des BIPs drücken.

Landwirtschaft im Teufelskreis

„Sowohl die globale Erwärmung als auch der freie Handel begünstigen nördliche Regionen wie Europa oder die USA, denn die Gewinne der Produzenten steigen durch die Verschiebung von Handelsmustern Richtung Norden an“, erklärt Co-Autor Alexander Popp. Gleichzeitig könnten Regionen wie Afrika oder Indien durch eine Liberalisierung des Nahrungsmittelmarkts ihre klimabezogenen Schäden theoretisch halbieren. „Unabhängig von Annahmen zum globalen Handel wird der Klimawandel die Ernten in vielen Regionen der Welt beeinträchtigen. Gleichzeitig ist es riskant, als Reaktion die Produktion zu intensivieren oder das kultivierte Land auf bislang nicht bewirtschaftete Flächen auszuweiten. Das könnte etwa zu vermehrtem Einsatz von Dünger führen oder zu steigenden Treibhausgas-Emissionen durch Entwaldung.“, so Popp. Dies würde dann erneut den Druck auf die Landwirtschaft im Klimawandel erhöhen.

Ernährungssicherheit durch freien Handel

Die Wissenschaftler spinnen ihre Theorie noch weiter und sind sich sicher, dass der freie Handel und somit der blockierte Preisanstieg durch den Klimawandel einen großen Teil zur globalen Ernährungssicherheit beitragen könnte. Wenn Nahrungsmittelpreise durch den Klimawandel ansteigen, hieße das nicht nur, dass Haushalte mehr für ihren Konsum bezahlen müssen, es steige auch das Risiko von Nahrungsmittelknappheit und Mangelernährung, erklärt Hermann Lotze-Campen, Leiter des Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität.

„Die Begrenzung des Klimawandels ist der beste Weg, um diese Risiken zu vermeiden. Lassen sich bestimmte Folgen jedoch nicht mehr vermeiden, dann kann ein offenes und breit gefächertes Handelssystem eine wichtige Anpassungsoption sein“, so Lotze-Campen weiter. Handel könne auf Veränderungen der globalen Muster von landwirtschaftlicher Produktivität reagieren und so niedrigere Produktionskosten und höhere Nahrungsmittelsicherheit ermöglichen. Denn je weniger Lebensmittel politische Barrieren überwinden müssen, desto eher lassen sich regionale Mangelsituationen vermeiden.

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